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Sonntag, 3. Oktober 2010

Pisa

Nachdem am Freitag acht Arbeitskollegen von Fabio bis spät in die Nacht bei uns geblieben sind, habe ich mich am Samstag gegen acht mit dem Zug in Richtung Pisa aufgemacht. Dieser Ausflug war anders als die anderen. Dieser Ausflug hatte Randpunkte, an die man sich erinnert und war kein Hinfahren – Fotos machen – Wegfahren Ausflug.
Es fing damit an, dass ich eigentlich vorhatte, im Zug zu schlafen, was aber nicht gelang. Ich wünschte, es wäre anders gewesen. Bereits in der Toskana angekommen hielt mein Zug an einer Dorfhaltestelle. Ich schaute aus dem Fenster, durch das ich den gegenüberliegenden Bahnsteig mitsamt Gleisen überblicken konnte. Ein Mann saß mit seinem Hund an der Leine auf einer Bank. Dann kam ein (womöglich streunender) Hund aus dem Bahnhofsgebäude bis an den Rand des Bahnsteigs gemütlich angelaufen und schnupperte interessiert herum. „Was für ein schöner Hund, der sieht richtig lieb aus“, dachte ich mir. Der Hund, versunken in seinem Schnuppern, ging weiter auf die Gleise, als man plötzlich die Hupe eines Zugs vernahm. Der Hund sah den Zug und wollte flüchten, wendete sich mit seinem Blick genau in meine Richtung, und wurde vom Zug erfasst, der in voller Geschwindigkeit auf der Durchfahrt war. Es war schrecklich! Direkt vor meinen Augen wurde dieser Hund erfasst und ich saß hinter Glas und konnte es nicht fassen. Als mein Zug dann anfuhr sah ich ein paar Meter weiter seinen Kadaver. Ich war völlig neben der Spur. So sollte mein Pisaausflug beginnen?
In der Stadt angekommen, nach einem Schokoladeneis, habe ich es dann doch geschafft, mich auf die Stadt zu konzentrieren. Das praktische an Pisa ist, dass alle Sehenswürdigkeiten auf einem Fleck, der „Piazza die miracoli“ konzentriert sind und man es, wenn man es einmal geschafft hat, nicht mehr weit hat, um alles zu besichtigen. Es stehen wirklich eine Menge Leute vor dem schiefen Turm (la torre pendente) und versuchen ihre Bilder so zu schießen, als wenn sie den Turm vor dem Umkippen beschützen wollen. Ansonsten hat mich diese Situation wirklich beeindruckt, der schiefe Turm von Pisa war immer so ein Gebäude, was ich komischerweise oft auf Fotos, im Fernsehen oder sonst wo gesehen habe und obwohl ich mir nie wirklich gewünscht habe, den mal live zu sehen, war es wirklich klasse richtig davorzustehen. Habe mir am Nachmittag auch einfach die Zeit genommen, mich für zwei Stunden aufs Gras zu legen, und den mal von noch weiter unten anzuschauen. Beobachten kann man ja nicht sagen, der bewegt sich ja nicht. Ansonsten habe ich noch den Dom von Pisa besichtigt, wie üblich in Italien, viel Marmor, viel Gold, viele Malereien, Statuen etc, viel „Wow“. Hat mich ein bisschen an Rom erinnert. Shoppen war ich auch, natürlich wie immer VOR der Besichtigungstour, so dass ich unnötigerweise mehr Ballast mit mir herumgetragen habe als sonst. Ganz lustig war auch meine Begegnung nach dem Mittagessen mit einem schwarzen Armbandverkäufer. Für mein Mittagessen habe ich mir leider einen Tisch draußen ausgesucht, was bedeutete, dass ungefähr zehn von denen vorbeikamen und irgendwas verkaufen wollten. Den ersten wimmelte ich noch freundlich ab, den zweiten bla, den fünften habe ich angemotzt, ob er denn nicht sehe, dass ich lese und der letzte kam als ich gerade aufstehen wollte, um zu bezahlen. Ich sollte ihm in die Hand klatschen und er schenkte mir sofort eins von seinen kleinen Stoffarmbändchen, die Glück bringen sollten. Er redete auf mich ein und fragte woher ich sei und folgte mir einfach aus dem Raum auf die Straße. Als ich sagte, ich müsste doch die andere Richtung nehmen, ich hätte mich in der Straße vertan, drehte auch er um und lief glücklich neben mir her. „Du bist so schön, du hast mir gleich gefallen, oh, du gefällst mir so sehr, darf ich dir einen caffè spendieren?“ Bei dem Wort caffè wurde ich hellhörig und ließ mich bereitwillig in die nächste Bar führen. Die hatten die Kaffeemaschine jedoch gerade nicht in Betrieb und so zog er mich nur für meinen caffè in eine andere Bar. Der hat den bezahlt! Nach unendlichem Lächeln und Danke danke hat er mich doch endlich gehen lassen und mich eingeladen, ihn zu treffen, wenn ich das nächste Mal in Pisa sein sollte.
Danach hab ich mich noch ca. zwei Stunden auf die Wiese neben dem Turm gelegt und einfach das Leben genossen. Abends kamen dann noch zwei befreundete Pärchen vorbei, mit ihren insgesamt fünf Kindern und wir haben ein langes Abendessen zusammen genossen. Schöner Tag.

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