Willkommen!

Willkommen! Dies ist Romys Blog über ihre Erlebnisse in Rapallo und Umgebung. Ich freue mich, dass du hierher gefunden hast.



Dienstag, 12. Juli 2011

Zu Ende

Es wird Zeit, eine Art Abschlussbericht zu verfassen, ein Fazit sozusagen. Ich bin nun schon seit mehr als drei Wochen wieder daheim (mittlerweile sogar wieder in Spanien und gar nicht mehr in Deutschland) und kann nur sagen, nach den letzten Wochen ist es mir verdammt schwer gefallen, Genua zu verlassen. Nicht Rapallo. Nicht meine Gastfamilie. Aber mein Leben in Genua, meine „Familie“ dort und mein zu Hause. In den allerletzten Wochen saßen Paula, Oscar und ich so eng aufeinander, dass man mehr Wochenende miteinander gar nicht mehr verbringen konnte. Ich musste mich nicht mehr entscheiden, wohin ich zum Schlafen ging, ich ging einfach zu Oscar und Paula kam gegen Ende oft sogar mit. So haben wir Tage und Nächte verbracht und uns sehr verbunden gefühlt. Wenn ich über meine Abfahrt gemaunzt habe, war ich immer „selber schuld“, da ich mich ja dazu entschieden hätte, nach Hause zu fahren, aber ich konnte doch auch nicht einfach so in Italien bleiben. Es gab keine Zweifel und keine Unwissenheit mehr, was man wohl wo den Nächsten Tag unternehmen muss, wir blieben zusammen und wenn uns nicht nach rausgehen war, konnte man auch zu Hause bleiben. Wenn ich irgendwann im Winter darüber geschrieben hatte, dass Aupairs kein wirkliches zu Hause haben, so habe ich es durch Oscars Gastfreundschaft gefunden. Ich hätte mich an keinem Ort in diesem Land mehr zu Hause fühlen können, mehr akzeptierter, mehr gewollter. In Rapallo hatte ich das nicht, in Rapallo versuchte ich immer, so wenig Spuren meiner selbst zu hinterlassen (ich habe sogar meine Zahnbürste und alles, was ich besaß in meinem Zimmer gehalten und es nicht im Bad hinterlassen) teilweise aus scheuer Zurückhaltung, teilweise aus Ekel. Meine Gastfamilie war von der Art, wie sie mich behandelte, die Beste, die ich kennengelernt oder von der ich gehört hatte, jedoch haben sie mir nicht meine eigene ersetzt, wie man am Anfang oft erwartet. Ich habe meine Gastkinder nicht als kleine Brüder und meine Gastmutter nicht als beste Freundin gesehen. Ich habe mich einigermaßen gut integriert und besonders mit Dani lief es auch in den letzten Wochen auch doch ziemlich gut. Er hatte sich genau eine Woche vor meiner Abfahrt den Fußknöchel gebrochen und lief mit Gipsbeinen und Krücken herum, so haben wir nach der Schule immer, anstatt wie gewohnt draußen zu bleiben, Playstationrekorde neu geschrieben. Es war auch alles wirklich lustig und wirklich schön, aber ich kann besonders jetzt zum Abschluss sagen, es war kein „Beruf“ für mich. Es gibt Frauen, die sind geborene Mütter und es gibt Mädels, die sind geborene Aupair, ich bin's nicht, das wussten wir auch alle und ich bin doch positiv überrascht, wie heil ich die Sache überstanden habe, aber ich trauer dem Ganzen nicht wirklich nach.
Jedoch kann ich nicht sagen, dass ich unglücklich darüber bin, mich für diese neun Monate entschieden zu haben. Ich habe eine Unmenge interessanter Menschen kennengelernt, ich bin mit meiner Verantwortung gewachsen und ich habe meine Sprachkenntnisse in zufriedenstellender Weise potenziert. Ich habe in Genua eine Art Optionsheimat gefunden, für zukünftige Besuche und für den Fall, dass mein Leben in Deutschland nicht funktionieren sollte und ich den Wunsch entwickle, auszuwandern. Das aber in einer sehr entfernten Fantasie. Am 9. Juni habe ich mich einer CILS Prüfung in dem Niveau C1 unterzogen, dessen Ergebnisse mich gegen September erreichen werden. Ich habe es endgültig akzeptiert, dass in mir anscheinend doch ein Teil meiner Seele italienisch ist und ich mich in dieser Sprache eigentlich sogar viel sicherer bewege, als in der Sprache meiner Eltern, polnisch, die ich eigentlich besser beherrschen sollte, als ich es tue.
Vor allem aber habe ich, unter allen Freunden und Bekannten, die ich hatte, zwei ganz besondere Menschen kennengelernt, ohne die die letzten Monate nicht möglich gewesen wären, ohne die meine Wochen keine Struktur gehabt hätten und ich kaum etwas gehabt hätte, auf das ich mich hätte freuen können.
Also mein Fazit: Romy ist glücklich darüber, dass sie diese Erfahrung machen durfte, aber sie ist auch zum größten Teil glücklich darüber, wieder zu Hause zu sein um ihr Leben auch wieder ihr eigen nennen zu dürfen.

Dienstag, 26. April 2011

Mission complete

Dieses Wochenende habe ich nun endlich die letzte Stadt der Toskana gesehen, die ich mir für vorerst vorgenommen hatte: Lucca! Im Laufe der letzten Woche hatte Oscar nämlich seinen ältesten besten Freund mit seiner Freundin zu Besuch und Paula und ich haben das ganze Wochenende mit den dreien verbracht. Am Montag sollten sie dann von Pisa aus wieder zurück nach Dublin (zwei Spanier fliegen nach Dublin und der andere Spanier fährt zurück nach Genua) fliegen, weswegen sie sich den schiefen Turm und auch Lucca vor dem Flug ansehen wollten. Paula und ich wurden herzlich eingeladen und nahmen nur zu gern an dieser Tour teil.
Den Sonntag davor haben wir es sogar geschafft, alle gemeinsam ins acquario zu gehen, der größte Wasser-Zoo (oder so...) Europas. Glückwunsch, nach 7,5 Monaten Genua hab ich auch das endlich geschafft.

Überhaupt sind Oscar, Paula und ich mittlerweile ein gut eingespieltes Trio. Die anfangs heiß ersehnten "spanische Freitage" sind nun schon mehrmals ganze "spanische Wochenenden" entstanden, wenn ich mal wieder (fast schon regelmäßig) Freitagabends mit zwei Taschen Rapallo verlasse und immer Sonntagnacht zurückkomme. Ich genieße es ungemein, das ganze Wochenende frei zu sein und bei unserem Cubra Libre-Konsum und Treffzeiten schaff ich es einfach nicht, zu Hause zu schlafen. Ist auch viel lustiger, bei Paula oder bei Oscar einzuziehen.

Dieses Wochenende zum Beispiel war es wirklich eine Erleichterung, mal nicht zu Hause zu sein: Letzten Montag wurde Laura die Gebärmutter entfernt und sie war dann bis Samstag in Mailand im Krankenhaus. Fabio musste ja auch weiterhin in Mailand arbeiten, so dass eine gute Portion Verantwortung auf mich zukam: Federico wurde grundsätzlich zu einer anderen Familie abgeschoben ,den hab ich die ersten Tage immer nur mit dem Auto von A nach B gebracht und am Do ist er eh nach Rimini.
Dani hat die ersten beiden Tage auch bei jemand anderem übernachtet, aber da ab Mittwoch die Osterferien begonnen hatten und das andere Ehepaar arbeiten musste, waren wir von Mittwochnachmittag bis Freitagabend ganz allein zusammen. Wie eine richtige Mama. Ich muss aber sagen, dass alles wirklich perfekt gelaufen ist, wir uns super verstanden haben und außer einem umgeknickten und immer noch schmerzenden rechten Fuß meinerseits auf dem Spielplatz nichts passiert ist. Im Gegenteil, am Freitag hat Dani mir sogar beim Kochen geholfen, so gut haben wir uns verstanden. Trotzdem war ich glücklich, ihn Freitagabend wieder zu der anderen Familie zu bringen und ein bischen in meine Welt zu entschwinden, in der nicht mehr "Ball", "Harry Potter" und "Putz deine Zähne" eine Rolle spielen, sondern "Cuba Libre", "de Putamadre" und "Pisa".

Ach apropos, meine Welt: Ich erzähl immer, ich sei glücklich, am Wochenende ein wenig Abstand von meinen Kindern und allem zu haben, aber in Wirklichkeit gehe ich immer nur zu einer anderen Familie: Ich verbringe viel Zeit bei Paula zu Hause und wenn sie z.b. noch zwei Stunden arbeiten muss, bevor wir rausgehen können, spiele ich immer mit ihrem kleinen Federico, 3 Jahre alt. Und ich bin wirklich oft bei Paula zu Hause^^ Das ging sogar so weit, dass er, als er Samstagabend mit Paula allein war, nach mir gefragt hat, wo ich denn sei. Dieses Kind hat wirklich zwei Aupairs.

Mittwoch, 30. März 2011

Noch mehr Gefühle

Beim Durchlesen einiger Blogeinträge, die ich im September geschrieben habe, ist mir aufgefallen, dass ich in diesem Monat viele Dinge erlebt habe, die sich in meiner Empfindung noch wie gestern erlebt anfühlen. Die Zeit, wie sie hier vergeht, ist eine andere, eine komische und ich nehme Laura nicht übel, wenn sie mir nach fünf Monaten sagt: "Mir scheint, als seist du gerade erst angekommen!" In der Tat fühle auch ich mich auf eine komische Art noch "neu" in dieser Familie, in diesem Land, obwohl ich bereits fast sieben Monate hier bin. Auf der einen Seite ist es, als hätte ich nie in meinem Leben etwas anderes gemacht (und als würde ich in einer Endlosschleife auch nie mehr etwas anderes tun), andererseits ergreifen mich manchmal Erinnerungen, aus meinem "anderen", vorherigen Leben mit solch einer Gewalt, dass ich mich benommen umsehe, und mich frage, wo ich eigentlich bin. Oft denke ich bei alltäglichen Dingen darüber nach, wie sehr mich am Anfang Dinge angefremdet haben, oder wie lästig ich etwas empfunden habe, die ich heute ohne Zögern, routiniert und mit sogar ein wenig Freude erledige. Meine Einträge vom Anfang kommen mir nun so naiv, so kindlich vor, doch genauso werde ich diesen Eintrag wahrscheinlich in einem halben Jahr naiv finden, das ist das Problem, es beherrschen einen in so einer Zeit zu viele Eindrücke, Meinungen und Gefühle, um irgendwas davon auf Dauer beizubehalten und mit einem gewissen Gefühl von Bitterkeit schaue ich auf das kleine dumme Mädchen zurück, die im September ihre Hoffnungen beschrieb, und uns was von "wohlfühlen" erzählen wollte. Für alle, die zu Hause geblieben sind, ist es schwer zu erklären, jeder Tag ist ein schmaler Grat zwischen Routine/Alltag, Schmerz, Freude, Sehnsucht, Erinnerungen, Zukunftsperspektiven, Spaß. Man fühlt sich nicht wirklich Fehl am Platze, aber auch nicht wirklich zugehörig, man erträgt es nie so gar nicht, dass man sofort nach Hause fahren möchte, aber es ist auch nie so schön, als dass man darauf verzichten könnte. Man lebt tapfer Tag für Tag weiter und irgendwann stellt man fest, dass die ein oder andere Erinnerung schon sechs Monate alt ist. Oder eine andere zwei Jahre. Und man blickt auf sich selbst zurück und erkennt sich selbst kaum wieder. Zeit ist ein komisches Maß und meine Aupair-Zeit eine Phase in meinem Leben, in der ich einfach viel zu viel über mich selbst nachdenke.

Che ne sarà di noi?

Gefühle

Zwischen all den Gefühlen, die mich tagtäglich begleiten und die das komplette Spektrum der von Menschen empfundenen Gefühle widerspiegeln, gehört ziemlich oft auch Ärger und Wut dazu. Ich rede mich viel auf, hauptsächlich über Italiener, genauergesagt, Genovesen. Italien wäre ein so viel schöneres Land, würde nicht sein Volk darauf leben, aber gäbe es dieses Volk nicht, so wäre es nicht Italien, ich weiß. Das Erlebnis, was mich dazu veranlässt, etwas über dieses Thema loszuwerden, war eine Gegebenheit am letzten Sonntag: Paula, Eva und ich sind ins Kino gegangen und wollten uns gerade auf unsere Plätze vor einem kuschelnden Ehepaar setzen. Als Eva ihren Sitz herunterklappen wollte, quetschte sie dabei kurz den Fuß des Mannes ein, der ihn dort in die Ritze gesteckt hatte. Sie entschuldigte sich erschrocken bei ihm und er antwortete: „It's okay.“ Sie hat sich schon auf italienisch entschuldigt, so ist das nicht und klar haben wir vorher lautstark alle auf deutsch miteinander geredet, aber was glaubt der gute Herr, was wir da im Kino machen? Bunte Bilder angucken? Zudem war es auch wirklich ein italienischer Film, keine Übersetzung aus Hollywood. Das war nicht das erste Mal, dass uns Menschen einfach als dermaßen ausländisch abstempeln, dass es wehtut. An jeder Ecke wirst du von Menschen, mit denen zu dich länger als drei Sätze lang unterhälst, gefragt: Aaaah, aber wo kommst du denn her, du bist keine Italienerin? Menschen auf der Straße drehen sich nach uns um und gucken uns eselsgleich an, wenn sie hören, dass wir deutsch/polnisch miteinander reden und kommen aus dem Glotzen nicht heraus. Sogar so ein blöder Dönerverkäufer (der selber aus der Türkei stammte) fragte uns, wo wir herseien. Danke für den kläglichen Versuch, Konversation zu machen, aber was geht es euch an? Genua ist eine Stadt mit so vielen Ausländern, so viele wie in kaum einer anderen Stadt Italiens, eine Jahrhunderte lange Handelstradition mit den verschiedensten Nationen und Kulturen, einem riesigen Hafen und trotzdem gewöhnt sich kein Mensch daran, dass auf der Straße andere Sprachen gesprochen werden? Ich frag doch auch nicht jede zweite Kassiererin in Deutschland, aah sie, wo kommen sie eigentlich her, ich höre, sie haben einen Akzent, sie sprechen nicht wie eine Deutsche deutsch. Genauso spreche ich italienisch, ziemlich flüssig, aber nun mal mit Akzent, aber das ist doch normal, warum hängen diese Leute sich da so dran auf? Sie sollten sich mal ihrer eigenen Unfähigkeit, andere Sprachen zu erlernen, zuwenden, als auf unserem Akzent herumzureiten. Ich will nicht sagen, dass ich mich in meiner Fähigkeit gekränkt fühle, natürlich stocke ich noch und ich benutze vielleicht komische Umschreibungen und rede auf jeden Fall noch nicht wie ein Italiener, aber das tun die Italiener in Deutschland auch nicht, reden wie die Deutschen und keiner glotzt sie dafür auf der Straße an. Und nach der Frage meiner Herkunft kommt auch immer wieder die gleiche Frage, egal ob die Person mit grade 5 Sekunden oder ne halbe Stunde kennt: Was machst du hier? Abgesehen davon, dass ich mich das manchmal selber frage, ist es so ungewöhnlich für ein junges Mädchen mal ein bischen Zeit im Ausland verbringen zu wollen? Ein Ägypter, der mich einmal im Zug angesprochen hat (er hat mich im Nachhinein darauf hingewiesen, was für schöne Haare ich doch hätte und ob ich die nicht aus dem Haargummi lösen könnte, warum sie denn so fest zugebunden seien. Daraufhin habe ich fluchtartig den Zug verlassen), wäre fast in Tränen ausgebrochen weil er nicht verstanden hat, wie man als Deutscher nach Italien gehen könnte, er würde alles dafür tun, nach Deutschland zu kommen. Nunja, der dachte auch, ich bleib für immer hier...Auf jeden Fall macht mich diese Art, uns nicht für voll zu nehmen, ziemlich fertig. Noch ein Grund sich darauf zu freuen, bald wieder in leicht geschwächten aber reinstem Deutsch durch deutsche Straßen zu laufen und sich wieder als Teil des Ganzen zu fühlen und nicht als Eindringling in einem Geflecht aus Arroganz, Nationalismus, Stolz und Fremdenfeindlichkeit.

Freitag, 25. März 2011

Toscana

Hab schon lange nicht mehr geschrieben, mir war nach Rom irgendwie nicht danach...
Habe mittlerweile auch wieder meinen nächsten Kurzurlaub hinter mir: Bin letztes Wochenende mit Paula in die Toskana gefahren und habe dort ne kleine Tour gemacht. Angefangen haben wir Freitagabend in Pisa, wo wir bei Paulas Exfreund Vincenzo Unterschlupf gefunden haben. Mit dem und nem anderen Freund von ihm, Stefano, waren wir die halbe Nacht in Pisa feiern und haben dabei zu viert Paulas Dankeschön für das uns angebotene Bett, eine Flasche polnischen Wodka, großzügig unter uns verteilt. Gegen vier Uhr morgens haben wir dann einen Sightseeing-Spaziergang zum schiefen Turm unternommen, bei dem mich eine Frau im Carabinieri-Auto (eine weibliche carabiniere?) rufend darauf aufmerksam machte, mich nicht weiter dem Turm zu nähern, da die Piazza geschlossen sei. Mittags gegen zwölf haben wir uns dann mit dröhnendem Kopf auf dem Weg zum Bahnhof gemacht, um nach Florenz weiterzufahren. Pisa kannten wir beide schon, doch in Florenz war ich noch nie gewesen. Paula machte mir den Touristguide, was leider durch Regen am Nachmittag etwas erschwert wurde, uns dafür aber am Abend aufgrund des dunkelblau-grau melierten Himmels wunderbare Fotos einbrachte. Florenz, das mich in seiner Schönheit jetzt nicht wirklich umgehauen hatte, erschien mir aber doch als sympathische Stadt mit Sinn für Ästhetik und auf irgendeine wundersame Weise fühlte ich mich ziemlich heimisch. Später habe ich dann erklärt, falls es mit meinem Leben in Deutschland auf mysteriöse Weise nicht klappen sollte, würde ich nach Florenz ziehen und dort mein weiteres Leben verbringen. Nach ein paar Stunden Stadtspaziergang, verschiedener Stücke Pizza und Joghurt im Hotelzimmer zu einem Eddy-Murphy-Film begrüßten wir dann gegen elf am Bahnhof Stefano und seine ca 40 betrunkene Erasmus-Studenten aus Pisa, die sich zum feiern mit dem discotreno (Discozug für umsonst jeden Monat einmal von Pisa nach Florenz. Da drin wird in zwei Stunden wahrscheinlich genauso viel getrunken wie auf der gesamten Bolkerstraße in Düsseldorf) in die nächste coole Disco aufgemacht haben. Vorher wurde aber noch fleißig am Bahnhof herumgelungert und schwupps, hatten auch Paula und ich wieder was zum Trinken in der Hand. Mit in die Disco sind wir dann aber nicht, denn wir hatten ja noch Pläne für den nächsten Tag: Siena! Nach einer anstrengenden Nacht, in der wir von sms von Stefano bombadiert worden und irgendwann auch noch ein Mädchen im Nachbarzimmer unseres B&B anfing lustvoll zu stöhnen, dies aber komischerweise nach vier Ansätzen auch schon wieder vorbeiwar, gaben wir mit einiger Verspätung abweichend der CheckOut-Zeit unseren Zimmerschlüssel ab, was aber eh niemanden zu kümmern schien. Dann schnell schnell, auf in den Zug, Siena, die Stadt, die noch keiner von uns gesehen hatte, die romantische Stadt der Toskana, mit den braunen Häusern und den Bergen und den Dächern (Ich hatte einige Wochen zuvor James Bond – A Quantum of Solace geguckt und versprach mir viel) und wir steigen aus dem Zug und wir gehen aus dem Bahnhof und was sehen wir: Ein Einkaufszentrum. Verwirrung ist nicht das richtige Wort, ein langes: Häääääää? schon eher. Vom Erdgeschoss fuhren wir in den Keller und warteten auf einen Bus in einer Umgebung, die wie der Liefereingang einer Uni-Mensa (wieso habe ich in diesem Moment so viel an Bochum gedacht?) aussah. Aber als wir endlich im Zentrum angekommen waren, entlohnte uns das, was wir dort sahen über alle Maßen. Eine Stadt, wie aus dem Bilderbuch, ruhig, touristisch, aber nicht superfluo, keine schwarzen oder indischen Weißnichtwas-Verkäufer, die dich nerven (wie in Genua), Sonne, piazza, liegen, sich freuen, dass man in Italien ist. Sonst gabs nicht viel zu machen, aber das liegen auf der wie ein Krater gewölbten Piazza hat Spaß gemacht. Aber da es ja leider schon Sonntag war und wir unsere ganzen zehntausend Anschlusszüge bekommen mussten, brachen wir zeitig auf.
Ernüchterung machte sich breit, als wir wieder in Ligurien ankamen. Dieser Teil Italiens mit seiner Hauptstadt Genua an der Spitze ist auf eine erschreckende Art meistens so unitalienisch, dass es einem wirklich nach Haare raufen zumute ist. Ich habe mich vorher immer gefragt, warum so viele Leute immer von dieser blöden Toskana schwärmen, aber sie ist wirklich etwas besonderes.
Noch ein Unterschied zwischen unseren Gastmüttern und ein Beweis dafür, wie viel Glück ich gehabt habe:
Paula: Unser Trip in die Toskana war wirklich schön.
Gastmutter: Wenn du willst, darfst du einmal im Monat immer mal ein ganzes Wochenende wegfahren, dann musst du aber am Sonntag arbeiten, um das wieder aufzuholen
Romy: (Donnerstag war Feiertag in Italien und Samstag wollten wir in die Toskana) Darf ich vllt schon Donnerstag fahren und Freitag frei bekommen?
Gastmutter: Ne tut mir leid, das geht leider nicht, ich brauch dich, um Dani von der Schule abzuholen, sonst ist niemand zu Hause.
(ein anderer Tag)
Romy: Wir fahren schon Freitagabend in Urlaub und machen einen Stop in Pisa.
Gastmutter: Oooh das freut mich, geh nur mein Kind, ich freue mich, dass ihr schon Abends fahrt, ich konnte dir ja leider nicht den ganzen Tag frei geben, aber so nehmt ihr euch mehr Zeit, das find ich schön.

C'est la vie...

Montag, 21. Februar 2011

SPQR

So, also, endlich, war es soweit. Meine Gastfamilie ist vergangene Woche zum Skifahren für eine Woche in Urlaub gefahren und ich hatte endlich ein wenig Ruhe. Gleichzeitig hat es auch noch die ganzen Tage geregnet ohne Ende, was mir die Wahl, mein heimliches Lieblingsprogramm durchzuziehen nur noch begünstigt hat: Nichts machen. Wenn ich nicht grad zur Schule musste, oder, so wie Sonntag und Mittwoch, nicht Eva oder Paula bei mir zu Hause hatte, lag ich in meinem Bett und habe Filme geguckt, geskypet und einfach nicht nachgedacht, nicht gearbeitet. Herrlich. Die Krönung kam dann Donnerstag Nacht: Paula, Mélanie, Anna und ich sind mit dem Nachtzug nach Rom gefahren!!! Von Freitag früh bis Sonntag Abend haben wir die ewige, die heilige, die prachtvolle Stadt durchlaufen, erkundet, genossen, erlebt. Für mich war es ja bereits das zweite Mal, aber das ist wie das erste Mal. Gleich am ersten Tag waren wir gezwungen, so gegen sieben Uhr Morgens unsere Touristentouren zu starten, da unser Hostelzimmer erst ab 15 Uhr beziehbar war, deswegen kamen wir in den Genuss, eines einmaligen Spektakels oder besser gesagt, keines Spektakels: Der Trevi-Brunnen und die Spanische Treppe völlig verlassen von jeglicher Menschenseele! Nur die Mitarbeiter der Straßenreinigung waren am Werk, es war ein lustiges Bild. Da der Tag also noch so jung und lang war, haben wir es doch tatsächlich geschafft, Rom in einem Tag zu erkunden. Allein am Freitag sind wir von unserem Hostel am Bahnhof Termini zum Monument von Vittorio Emanuele II, nen kurzen Blick auf das Forum Romanum und das Kolosseum von weitem (irgendwas mussten wir uns ja für die weiteren Tage aufsparen), zum Trevi-Brunnen, Spanische Treppe, Piazza del Popolo, am Tiber entlang zum Castel S. Angelo, dann zum Vatikan, Petersdombesichtigung, Pizza essen und zu Fuß über den Corso Vittorio Emanuele II an der Piazza Navona und dem Pantheon vorbei zurück über die Piazza della Repubblica zum Hostel am Bahnhof. Und das nach einer Zugabfahrt um Mitternacht und NULL Schlaf im Zug. Abends sind wir dann sogar noch ins Theater gegangen, um uns Romeo und Julia anzuschauen, weil die preiswertesten Plätze nur 11 Euro gekostet haben und weil Riccardo Scamarcio uns den Romeo gemacht hat. Der halbe Bereich mit den Plätzen in unserer Preisklasse war besetzt von nervös kichernden Mädels im Alter zwischen 14 und 20 und wir unterschieden uns von denen nur durch die Tatsache, dass wir viel zu müde waren, um nervös aufgeregt zu wirken. Zwischendurch ist jeder von uns auf schon mal eingeschlafen.
Am nächsten Tag haben wir uns dann für gewisse Dinge mehr Zeit genommen, wie dem Centro Storico und vor allem dem Kolosseum, der Bocca della Verità und ein wenig Geschäfte durchforsten. Sonntag gings dann nach Trastevere und den Campo de' Fiori und wieder vorbei an unseren altbekannten Lieblingsplätzen Piazza di Spagna (Paula und ich hatten in diesen Tagen einen unverkennbaren Sensor dafür, ausgerechnet Spanier zu fragen, ob sie z.B. evtl. ein Foto von uns machen können oder so etwas.) und der Fontana di Trevi. Nachts um Mitternacht gings dann wieder zurück in den Zug, der uns nach Ligurien bringt und damit raus aus diesem Traum des wirklichen, lebendigen und vibrierenden Italiens. Wir haben eine unmenge an interessanten und lustigen Menschen getroffen, wie eine lustige Schulklasse aus New York, einem verliebten Kellner mittleren Alters, der Paula eine Gabel Spaghetti Carbonara in den Mund geschoben hat, einem indischen Regenschirmverkäufer, der sich gnadenlos von Mél hat runterhandeln lassen und dann von ihr zur Sau gemacht wurde, weil der Regenschirm beim Öffnen auseinandergefallen ist, ein anderer Kellner, der uns ein Herz auf die Papiertischdecke gemalt hat und ich mit einem Teddybären, dem ein Schwert in seiner Brust steckt, geantwortet habe, der Typ, der mit seinem T-shirt-, Flaggen- und Souvenirstand Geld verdienen wollte und mir wie eine beleidigte Zicke die Deutschlandflagge aus der Hand riss, als er gemerkt hat, dass Paula und ich nur Fotos machen wollen, die Ukrainin, die Paula und mir ganz schön auf die Nerven ging, als sie meinte, noch ein Glas Wein sei viel cooler und erwachsener als jetzt endlich Essen zu gehen oder Sara, die Napoletanerin, die mit uns feiern gehen wollte, aber nur Mél bekommen hat, weil Paula und ich ins Hostel wollten und Mél drei Stunden später in der Disco herausgefunden hat, dass Sara höchstwahrscheinlich lesbisch ist.
Für drei Tage sind wir dem engen Genua entflohen und haben nicht an unsere Pflichten, Probleme und Zukunft gedacht, sondern waren ganz normale Mädels auf Touri-Tour mit unseren Fotokameras (ich allein habe 388 Fotos gemacht) und unserem Wunsch, mal ein bischen echtes Italien zu erleben. Ich könnte jederzeit wieder zurück.

Freitag, 4. Februar 2011

Februar

Fünf Monate bin ich jetzt hier. Gut, ich war zwischendurch 17 Tage zu Hause, aber wenn man im Sommer in Urlaub fährt, sagt man ja auch nicht „Wir sind für drei Wochen umgezogen.“, also, seit fünf Monaten wohne ich in Rapallo. Es ist komisch, wie man an manchen Tagen wie selbstverständlich alles erledigt, was so erledigt werden will und sich in dieser Umgebung bewegt, als sei man schon immer hier gewesen und wie man dann an einem anderen Tag auf einmal stehen bleibt (fast ständig passiert mir das, wenn ich in Genua aus dem Bahnhofsgebäude trete und die Stadt sich vor mir aufbauen sehe), sich umschaut und sich denkt: Wow, dies ist ein anderes Land, als das, in dem du 19 Jahre gelebt hast, du bist woanders, krass, schau mal wies hier aussieht, bleibst du hier noch lange, bist du hier wirklich? Und was ist mit deinem anderen Leben? Deinen Erinnerungen an Orte, Gegebenheiten und Menschen, war das alles nur Einbildung? Wird es jetzt für immer so sein? Ich weiß, es klingt krank und ich kann es auch schlecht erklären, aber manchmal habe ich wirklich so Flash-Momente, in denen ich versuche, Realität und vergangene Realität irgendwie auseinanderzuhalten und doch zusammenzubasteln, es gehen dann komische Dinge in mir vor. Naja jedenfalls finde ich das Leben so an sich eigentlich schön, ich bekomm ja eh von jeder Seite (besonders von der vietnamesischen) immer gesagt, wie gut ich es hätte und das stimmt ja auch alles und irgendwo gefällt es mir auch. Ich habe mal tief in mich reingehorcht und habe herausgefunden, dass nicht das Land Schuld an meinem Gefühlschaos von wegen Nach Hause-weg-hause-weg ist, sondern der „Job“. Mir fehlt ein Stück Freiheit, dieses ständige Verfügbarsein und für andere leben und irgendwie immer so viel Rücksicht auf alles zu nehmen engt mich ein und...ich weiß nicht, halt so. Ich könnte mir schon vorstellen, ne zeitlang in Italien zu leben, aber dann alleine oder mit Freunden, Menschen, die mir gleichgestellt sind, mit denen ich mir gewisse Dinge teile, vor allem das Leben und vor denen ich auch mal Arschloch sein darf. Hier ist ja alles süß und schön, aber ständig dieses Bitte, Danke, Ja, Nein, Ach, sag du, nein, ist in Ordnung, ja, bitte, gern Geschehen, bla blub, arschabputzen ist nun mal einengend. Und allein die Sonntage. Sonntags laufen wir Aupairs immer wie so Obdachlose den ganzen Tag von Morgens bis Abends durch die Stadt, geben viel Geld für Essen aus und schlagen die Zeit bei H&M und Zara tot, bis wir es uns erlauben können, zu Hause aufzutauchen, wenn die Gastfamilie schon gegessen hat und man nicht mehr beim Abräumen helfen muss, nur weil man mitgegessen hat, obwohl Sonntag ist und man ja frei haben sollte. Unter normalen Umständen, vor allem im Winter, den wir ja grade hatten, lädt man seine Freunde einfach zu sich ein und besetzt Fernseher und Küche und kocht zusammen und verbringt seine Zeit im Warmen, macht sich nen Tee...Aber hier sind ja die Kinder und hier sind ja die Leute und hier bist du ja höflich und hier willst du deine Gastfamilie Sonntags gar nicht sehen, weil du sie ja von Montag bis Samstag immer siehst. Ein Vagabundenleben.
Ansonsten ist alles noch beim Alten, Eva und ich waren letztes Wochenende im Kino und haben uns einen wirklich lustigen italienischen Film angeguckt (wir liefen noch drei Stunden nach dem Kinobesuch mit einem beseelten Grinsen durch die Stadt und schwärmten von diesem gelungenen, spontanen, Kinobesuch), ich geh wie immer fleißig Essen und Aperitivi zu mir nehmen und gottseidank habe ich mittlerweile Kinder gefunden, die nach der Schule mit Dani spielen, so dass ich das nicht machen muss. Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich mich schäme, in der Öffentlichkeit mit einem Stock herumzulaufen, den leeren Himmel nach Helikoptern absuchen zu müssen und mich von einem Jungen mit einem anderen Stock „erschießen“ zu lassen um dann halb gewollt halb gezwungen auf den Boden zu sinken. Stattdessen genoß ich jetzt die ganze Woche die Anwesenheit von Giovanni und Matteo, die Kinder einer guten Freundin von Laura, und ihrem Opa. Während die Kinder spielen, können Opa (wir haben uns irgendwie nicht nach unseren Namen erkundigt) und ich über die wirklich spannenden Dinge im Leben reden: Autoritäre Kindererziehung, Krieg, Nazis, deutscher Aufschwung nach dem Krieg, der preussische Charakter der Deutschen und meine Zukunftspläne. Er nennt mich schon „professoressa“ und verspricht mir eine rosige Karriere. Ich mag den Mann!
Und so vergeht Woche um Woche, irgendwie immer gleich und doch jedes Mal verschieden, es ist ein Leben, wie jedes andere auch, es ist kein spannendes Abenteuer, aber es ist mein Abenteuer. Und trotz allen Jammerns, ich glaube, am Ende werde ich es in guter Erinnerung behalten.

Dienstag, 25. Januar 2011

Januar

Schon wieder so viele Tage vergangen. Ich bin mittlerweile wieder komplett genesen und genieße meine Zeit. Ich hatte seit dem berühmten schlimmen Samstag keinen Tag mehr erlebt, der dem ähneln könnte, im Gegenteil, ich lebe in einer anhaltenden Euphorie und Ungläubigkeit, wie schön und lustig und einfach doch momentan alles ist. Eigentlich zu schön um wahr zu sein. Dani und ich spielen wie die bekloppten draußen zusammen und erfreuen uns aneinander und irgendwann in der vergangenen Woche haben wir es sogar geschafft, ganz in Frieden und richtig erfolgreich Geschichtshausaufgaben zusammen zu machen, wovor ich mich in Vergangenheit ja gedrückt hab. Daneben verbringe ich richtig erfolgreiche Stunden in der Schule. Neueste Nachricht dieser Woche: Wir haben jetzt eine Putzfrau! Eine Frau, die zwei mal in der Woche vorbeikommt und die Wohnung saubermacht, ich bin im siebten Himmel. Nicht, dass es hier unerträglich dreckig sei, aber Laura kommt dem ganzen nicht immer so erfolgreich nach. Ich liebe diese Frau einfach, Sonia heißt sie. Soviel dazu.
Desweiteren hatte ich vergangenes Wochenende keine Arbeit und habe das auch bis aufs Äußerste genutzt. Von Freitagabend an war ich geschlagene 30 Stunden am Stück nicht zu Hause und von Samstag auf Sonntag war ich nur zum Schlafen hier. Drumherum hatte ich ein tolles Wochenende mit verschiedenen Menschen, auch wenn es an Schlaf manchmal gemangelt hat. Und meine Spanischkenntnisse wurden mal wieder vertieft, weil wir uns mit unseren amigos getroffen haben und ich am Samstagnachmittag betreffend das Angebot, mit Oscar einen Film zu gucken, auf die Frage "Englisch oder Spanisch?" der Versuchung einfach nicht widerstehen konnte, mich selbst mal wieder zu testen. Der Film dauerte 2,5 Stunden.
Resultat: Zum Glück hatte ich das lebende Wörterbuch neben mir.
Nun ist schon wieder ein Teil dieser Woche vergangen und ich bin gespannt, was mich noch erwartet. Ich hoffe nur nicht, dass ich nach all' dem schönen irgendwann auf die Fresse fliege, aber das wäre doch unfair oder?

Dienstag, 18. Januar 2011

ritornata

Da bin ich also wieder. Ich bin damals sicher und höchst erfreut (der Flug hatte natürlich ein wenig Verspätung und beim Warten haben sich viele Passagiere meines Fluges natürlich kennengelernt und angefangen zu quatschen, war ja klar, dass ich da auch mitmache) zu Hause angekommen, habe 17 wunderschöne Tage verbracht (alles so ein wenig wie in der Zwischenabizeit. Man ist zu Hause, man hat aber nichts zu tun, also macht man nur Dinge, die Spaß machen: Einkaufen, schlafen, kochen, Freunde treffen, essen, …) und bin dann mit einem überpünktlichen Lufhansaflug am 10. Januar wieder in Mailand angekommen. Die Nacht zuvor bin ich krank geworden, hatte nachts im Bett einen Schüttelfrostanfall und bin mit Fieber und ziemlichem Husten und den daraus resultierenden Kopfschmerzen aufgewacht. Das Herkommen fiel mir deswegen noch schwerer als normal, aber ich bin niemand, der seinen Flug verschiebt.
Ich wurde herzlich aufgenommen, was jetzt nicht nur so dahingesagt ist, mir war's ja eigentlich total egal, was mich erwartet, weil nichts so schön sein konnte, wie mein zu Hause, aber ich war positiv überrascht von der Freude, die vor allem Dani mir gegenüber äußerte. Er war sehr bestürzt darüber, dass ich krank sei. Laura ließ mir dann auch gottseidank die Zeit, mich auszukurieren und erledigte Dienstag alles, was ich hätte normalerweise tun sollen für mich. Ich lag einfach nur da und gammelte vor mich hin. Jetzt bin ich wieder gesund und kann auch schon wieder auf eine ereignisreiche Woche zurückblicken. Es war natürlich schwer, die ersten Tage, denn, einmal zu Hause angekommen, war alles irgendwie wie früher und vor allem so schön und dann schon wieder wegzufahren, wohl wissen, was einen erwartet, machte mir die ersten Tage ganz schön zu schaffen. Das Schöne ist, die Schule hat wieder angefangen und wir sehen uns einem strammen Programm gegenüber auf das ich schon richtig heiß bin. Am Samstag war ich schon fast so weit, wieder alles zu akzeptieren und schön zu finden, als es wieder passierte. Ein Bruch. Ein paar böse Stunden. Die Jungs und ich waren alleine zu Hause, um drei sollten sie zum Katechismus gehen. Sie sollten gemeinsam runter und hinter der nächsten Häuserecke von befreundeten Eltern hingefahren werden. Ich saß in meinem Zimmer wie auf glühenden Kohlen, denn Dani und Chicco waren gemeinsam in ihrem Zimmer und das letzte Mal, dass wir so eine Situation hatten, ist sie richtig in die Hose gegangen. So holte ich mir Anschisse von Federico ab, warum ich ständig gucken würde und immer bei denen im Zimmer stehen würde. Später, als sie gehen wollten, fand er nicht die geeigneten Klamotten, die er anziehen wollte und lief wie ein Bekloppter durch die Wohnung, obwohl die Zeit mehr als reif zum runtergehen war. Zwischendurch machte er einen auf Erwachsenen und schrie Dani wegen diverser Dinge an. Ich schnauzte zurück, weil mir das alles natürlich auch nicht passte und alles endete damit, dass wir uns so dermaßen anmachten, dass Chicco (nachdem er bereits wegen Löchern in seinen Schuhen nochmal hochkommen musste, was eine neue Diskussion auslöste) ohne ein Wort zu sagen, die Tür hinter sich zuknallend aus dem Haus rauschte. Ich war völlig fertig und wünschte mir mein ruhiges Heim und mein ruhiges Leben zurück und verfluchte diesen Jungen dafür, wie sehr ich ihn nicht mochte. Nach zwei Stunden apathischem neben meinem Bett rumflennen rappelte ich mich zu ein wenig Arbeit auf, als ich auf einmal eine sms bekam. Chicco schrieb mir: „Romina scusa!“
Wow!
Es war unfassbar für mich, weil...also ich wusste, dass er seiner Mutter so sms schreibt, wenn sie sich streiten oder so und er dann aus dem Haus ist und ein schlechtes Gewissen bekommt, aber ich hätte einfach nie im Leben gedacht, wichtig genug in seinem Kopf zu sein, um sich so eine sms zu verdienen. Das war eindeutig ein Sympathiebeweis! Voll krass. Seitdem gehen wir richtig freundlich miteinander um, und alles läuft viel besser. Sehr hilfreich in meiner Ich-muss-mich-wieder-an-Italien-gewöhnen-und-nicht-alles-scheiße-finden-Phase. Ich bin immer noch fasziniert von dieser Geste.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Weihnachten

Ja, die frohe Zeit nähert sich. Morgen werde ich mich mal auf den Weg nach Mailand machen und schauen, ob ich es mit einem Flugzeug bis nach Hause schaffe. Habe eifrig das ganze Schneechaos-Ding-Flughafen-cancelled-zeug auf ZDF verfolgt und....naja, ich hoffe einfach nur das Beste. Die letzten Tage verliefen alle gut und bei 10/11 Grad Plus kommt einfach keine Weihnachtsstimmung auf, wenn man von der Straße Portofino und seine Palmen sieht. Mir gehts aber super :) Habe meinen Kursabschlussstest mit 29 von 30 Punkten bestanden und freue mich auf das neue Niveau, das sofort am Dienstag, den 11.01.11 beginnt.

Frohe Weihnachten!!!

Montag, 13. Dezember 2010

Feierlichkeiten

Dieses Wochenende war mal wirklich gelungen. Von vorne bis hinten. Von Anfang bis Ende. Wow. Ich habe richtig Spaß gehabt. Mittwoch, der 8. Dezember, war Feiertag in Italien, deswegen waren alle zu Hause und ich hatte frei und habe meine Genua-Kenntnisse in den Altstadtgassen etwas vertieft und meine Weihnachtsgeschenke gekauft. Den Sonntag davor war ich mit Paula auf einem kleinen Nikolausmarkt und habe einen Esel gestreichelt. Der war so weich. So schön. Jedenfalls, als ich am Mittwoch dann aus Genua zurückkam, haben wir den Weihnachtsbaum geschmückt, macht man halt so in Italien, am 8. Dezember. Der Baum ist zwar nicht echt, sieht aber für nen Plastikbaum doch ziemlich gut aus. Aber nichts geht natürlich über echte Nadeln. Am Donnerstag dann haben Laura, Federico, Dani und ich zusammen „Mensch, ärger dich nicht gespielt“ und uns sogar richtig amüsiert! Gewonnen hat Laura, dann Chicco, dann ich und dann Dani. Achja, Dani war nämlich krank und war den ganzen Donnerstag dann mit mir zu Hause, wir haben uns aber schon amüsiert. Habe jetzt meine Vorliebe für die Wii entdeckt und spiele immer fleißig Tennis gegen Dani oder schlage ihn im Skispringen (141 Meter gegen 136). Freitag war ich dann zum Konversationskurs in der Schule und habe meinen Abschlusstest des Kurses geschrieben. Wie der ausgefallen ist, erfahre ich erst nächsten Freitag. Während unseres Kurses haben wir über die Weihnachtsfeier am Sonntag gesprochen und Pilar, eine Spanierin aus Katharinas Kurs, hat erzählt, sie bringt einen Freund von sich mit, extra für uns Mädels, er hieße Oscar, 25 Jahre alt, Ingenieur, wohnt in einem großen Appartement hier in Genua und spräche spanisch (er ist Spanier), italienisch, englisch und sogar ein bischen deutsch. Zudem könne er kochen und sei ein gut erzogener junger Mann, gutaussehend blabla. Da waren wir aber gespannt! Bei dieser Unterhaltung hat sich herausgestellt, dass wir alle, die da im Raum saßen, Single sind und somit alle potenzielle Oscar-Freundinnen werden können, es ging zu wie auf der Vermittlungsbörse am Freitag.
Freitagabend hab ich mich erstmal mit Katharina verabredet, wir waren mal ganz entspannt ein Eis essen und viiiiel spazieren. Ganz ruhig und entspannt. Zwischendurch war Anna bei uns, sie ging aber bissel früher nach Hause. Samstag früh hab ich meine Wii-Rekorde verbessert und Dani gut unterhalten, ich weiß absolut nicht, was er so witzig daran findet, wenn er mich da spielen sieht. War aber richtig schön, wir verstehen uns langsam immer besser und werden langsam warm miteinander. Ich verwandle mich langsam von Aupair Nr. 10 namens Romina zum Menschen Romina. Manchmal werde ich sogar Romi von Laura, Dani oder Chicco genannt. Das gefällt mir. Samstagnachmittag war ich dann mit Paula unsere Sachen für den Apfelkuchen und den russischen Kartoffelsalat für Sonntag einkaufen und danach sind wir mit Mélanie nach Santa Margherita gefahren, was auch ein gelungener Nachmittag wurde. Wir haben uns richtig amüsiert, haben die Eisfläche am Hafen bewundert, auf der man Eislaufen kann, die Weihnachtsmusik, die durch die Lautsprecher an den Häuserwänden klang, mitgesungen und uns eingehend mit dem Weihnachtsmann und seinem Gnom unterhalten, während wir Zuckerwatte und Popcorn geschenkt bekamen. Am Abend waren Laura und Fabio dann aus, was für mich hieß, weitere Wii-Partien zu spielen und den kleinen jungen Mann am Lachen zu halten, was mir gut gelungen ist. Sonntag gings dann weiter, wieder einmal nach Genua, Kuchen backen und Kartoffelsalat machen bei Paula zu Hause. Anna war bei uns und half ein bisschen mit. Alles verlief ein wenig chaotisch, so dass wir dann anstatt um 17h um 18:30h an der Schule ankamen, aber hey, war ja ne Party. Es gab haufenweise zu Essen und so viele Leute zu unterhalten. Und dann kam er, der Angekündigte, der Herausragende, Oscar! Ja, also wir waren alle ein wenig...enttäuscht. So gut, wie angekündigt, sah er jetzt auch nicht aus, aber nett war er, ja. Und gut erzogen. Und intelligent. Ein wirklich netter Mann, der sich wirklich eingehend für mein Leben interessiert hat. Nur für meins. Paula ist dann kurz weggegangen, nachdem er ihr den Rücken zugewendet hat, um sich von mir erklären zu lassen, wo genau jetzt Rapallo liegt. Und, wie mir Viktor (der Spanier aus Katharinas Sprachkurs, den ich jetzt auch endlich mal bischen besser kennengelernt hat) wärmstens und mit einem Augenzwinkern erzählt hat, wohnt Oscar in einer 110 metros cuadratos (Ja, wir verstehen dich, mein Freund) großen Wohnung im Zentrum von Genua, die seine Firma bezahlt. Jetzt habe ich auf jeden Fall eine Handynummer mehr in meinem Telefon und die Aussicht, bald ein gutes spanisches Bier mit den anderen Mädels und Viktor und vermutlich noch ganz vielen anderen Spaniern und der Ingenieurswohnung in Genua trinken zu gehen. Am Ende, als nur noch ein paar Leute da waren, haben Paula und ich unsere musikalischen und linguistischen Kenntnisse dieses Landes weit herausgetragen und ein „cantas muy bien en español“ geerntet. Nach der Feier hab ich bei Paula geschlafen, in dem alten Schlafzimmer der Verstorbenen in dessen Appartement Paula ja wohnt, und sogar im Bett der Alten. Mir ist aber nichts passiert, mich hat nachts kein Geist besucht, und vom ganzen Rotwein, den Riccardo, der Portugiese, uns die ganze Zeit ausgeschenkt hat, war mir das eh irgendwie egal. Unter den Augen von Padre Pio, dessen Bild über dem Bett hing, hätte mir eh nichts Großartiges passieren können, der ist nämlich der Schutzheilige Nr. 1 für alle Italiener. Ach, unser Salat und unser Apfelkuchen hat wirklich jedem geschmeckt. Aber es hat so Spaß gemacht, den ganzen Spaniern beim Sprechen zuzuhören, weil sie ganz genau wissen, dass wir sie verstehen, auch wenn jedes dritte Wort spanisch ist und wer mich kennt, weiß, dass ich dann wirklich an den Lippen von diesen Leuten hänge. Dann kommen dann halt so Sätze raus wie "lui abita in un appartamento con cien diez metros cuadratos". Paradies für meine Ohren.

Montag, 29. November 2010

Was für eine Woche! Laura hat mir ziemlich viel frei gegeben, so konnte ich eine herrliche Woche mit meinen Eltern erleben. Es war ein komisches Gefühl, auf einmal wieder Kind zu sein, aber es tat so gut. Eigentlich war es wie Urlaub, nur, dass meine Eltern mich dann Abends immer "nach Hause" gebracht haben, bevor sie dann ins Hotel schlafen gegangen sind. Ich hab versucht, ihnen so viele schöne Ecken wie möglich zu zeigen und wir haben schöne Sachen gesehen. Auch ich kam endlich mal dazu, die restlichen zwei der fünf Städtchen in den "Cinque Terre" zu sehen und auf einem Spazierweg, der "Via dell'amore" zwischen Riomaggiore und Manarola wollte uns sogar eine Schlange aus den Bergen angreifen. Ich hab auch so viel Zeit wie möglich mit ihnen im Hotel verbracht und wurde von Giuliana, der Besitzerin des niedlichen zwei Sterne Hotels auf der Hauptpiazza Rapallos, zwei Mal zum Frühstück eingeladen und habe dort meine Handynummer für weitere Abendessen bei ihr zu Hause in Genua hinterlassen. Also mehr oder weniger eine neue Freundin, die ich da getroffen habe.
Am Mittwoch musste ich dann doch ein paar Stunden mit Dani verbringen, was aber gar nicht so schlimm war, denn erstens habe ich meine Eltern für den Tag nach Pisa geschickt und zweitens bestand mein "Babysitting" daraus, dass Dani und ich uns Harry Potter e i doni della morte (Wir ahnen alle, was das auf deutsch heißt), angeguckt haben. Sonntag hab ich mir den Film dann mit Eva und Katharina nochmal angeschaut. Endlich sind auch so viele Klamotten von mir und meine achso geliebte Daunendecke endlich bei mir und ich kann dem Winter, der auch genau in dieser Woche Einzug gehalten hat, mutig entgegensehen. Am Sonntag hat es sogar ein wenig geschneit aber natürlich nicht in Rapallo, sondern in Genua und natürlich war nach zwei Stunden Matschibabyflocken alles wieder vorbei. Heute scheint ja auch wieder die Sonne, wie es sich in Italien gehört. Noch ca. 3 1/2 Wochen und ich bin zu Hause, ich kann es kaum erwarten!!!

Samstag, 20. November 2010

Prendiamo un aperitivo

Schon wieder zwei Wochenenden vorüber. Es pendelt sich immer mehr eine gewisse Regelmäßigkeit ein, von Montag bis Freitag arbeite ich, und dann bin ich ab Freitag Abend sozusagen durchgehend in Genua. Diesen Samstag muss ich zwecks Babysitting zu Hause bleiben, aber so geb ich zumindest kein Geld aus. Die beste Möglichkeit in Italien, einen netten Abend zu verbringen, ist, einen „aperitivo“ zu nehmen. Man bestellt sich einen Cocktail oder so und dann darf man sich am ungesunden Pizza-Focaccia-Pasta-Pommes Buffet bedienen, offiziel bezahlt man aber nur den Cocktail. Diesen Freitag hat Daphne uns (Paula, Mélanie und mir) noch eine wirklich interessante Südamerikanische Salsa-Bar gezeigt, die wir in Zukunft bestimmt öfter betreten werden. Man wird beim Hereinkommen erstmal schön von oben bis unten angestarrt, weil man offensichtlich nicht Schwarz oder Latinomäßig aussieht, dann aber freundlich aufgenommen. Wir haben uns mit unserem Bier an einen Tisch gesetzt und bekamen dann von Walther, dem sehr interessierten Südamerikaner auf dem Barhocker, alle möglichen Snacks auf den Tisch gestellt, die die Bar zu bieten hat. Um uns herum tanzten schwarze Frauen mit viel zu großen Brüsten mit viel zu kleinen Männern und über dem Tresen hing ein Zettel auf dem stand: Wir akzeptieren auch normale Leute.

Das interessante an dieser Woche war, dass ich mal in den Genuß eines wirklich italienischen Lebensgefühl gekommen bin: Ich bin eine bergige Landstraße mit einem Fiat 600 langgefahren. Und das drei Tage lang. Es war sehr hart, dieses Auto zu bedienen und bei Regen ist es auch nicht unbedingt dein bester Freund, aber es war mal was anderes. Das Auto gehörte einer Freundin der Familie, die mich nicht wirklich kennt, die uns aber gerne ihr Auto anvertraut hat, weil unser Passat kaputt war und Fabio den Panda nach Mailand entführt hat.

Es ist wieder ein neues Mädchen in der Stadt, die heißt Jenny und kommt, oh wie überraschend, aus Deutschland! Eva, Katharina und ich haben uns ihr angenommen und begrüßen sie herzlich im deutschen Ghetto in Genua.

Ab Morgen sind meine Eltern auch in Italien und schauen sich mal meine Welt für eine Woche an. Ich hoffe nur, dass es nicht zu viel regnen wird...

Donnerstag, 11. November 2010

Europa

Ich habe meine postanniversale Stimmungskrise überwunden und kann mich wieder voll und ganz auf meine Erlebnisse konzentrieren. Sonntag ist unser „Schulausflug“ mal wieder dem Regen unterlegen gewesen, dafür waren wir aber in „Little America“ Bowling spielen. Das Einkaufszentrum heißt eigentlich Fiumara, lässt einen aber nicht unbedingt wie in Italien vorkommen, deswegen Amerika. Hat auch wirklich Spaß gemacht, vor allem, weil wir nur fünf waren, die mitgekommen sind und deswegen man ruhiger spielen konnte. Ach und Freitag haben wir es mal wieder geschafft, einen Film zu gucken bei Eva zu Hause.

Das Kochen bei Bettina müssen wir leider verschieben, weil ihr Freund, Francesco, krank geworden ist und es ihm wirklich dreckig geht, aber wir holen es auf jeden Fall nach, morgen gehen wir dann auswärts Pizza essen.

Donnerstag früh kam eine neue Person in unseren Kurs, ein Junge, wir bekamen alle große Augen, einfach nur, weil es eine seltene Erscheinung in dieser frauenüberfüllten Schule ist. Philipp ist auch Aupair und kommt aus der Nähe Bielefeld, studiert in Bochum und wird bald nach seinem Aufenthalt nach Düsseldorf ziehen, um dort zu arbeiten. Manchmal scheint es mir, als ob halb NRW sich 2010 gesagt hätte, „wir gehen jetzt nach Genua!“. Es ist wirklich krass, dass wir fast alle aus derselben Ecke kommen, z.B. heute, am 11.11. konnte ich ohne Umschweife mit Katharina über Karneval reden (Lauras Kommentar auf meine Info, die Saison beginne heute: Soooo FRÜH schon????), während wir in Ruhe über die Via XX Settembre in Genua gingen. Auch wenn ich natürlich nicht ganz so informiert bin über den Kölschen Karneval.
Und noch eine Neue gibt es in der Stadt, die Katharina, Eva und ich heute zum caffè getroffen haben: Mélanie aus Lyon, Frankreich. Macht jetzt Aupair in Genua bei einer Familie mit ihrem einzigen 10-jährigen Sohn. Wobei der Mann im Haus „nur“ der Freund der Mutter ist und nicht ihr Mann. Sie, also die Gastmutter von Mélanie, kommt aus Polen und kocht fast nur polnische Küche, anstatt Italienische. Mélanie hat auch schon ein neues Wort gelernt: musztarda. (Senf) Ich habe mich daraufhin natürlich sofort angeboten, mal zum Essen vorbeizukommen, so eine Gelegenheit kann ich mir ja nicht entgehen lassen. Polnische Küche im Herzen Genuas!!! Zudem habe ich sogar ein paar französische Wörter von ihr verstanden, wenn es mit dem Italienisch mal gehängt hat. Aber sie spricht wirklich klasse Italienisch, in Englisch sei sie nicht so gut, wie auch, sie kommt ja aus Frankreich^^ Nein, aber auf Italienisch kann man sich super fließend mit ihr unterhalten und sie schien uns ziemlich nett und lustig, und für mich bot sich die Gelegenheit, mein Französisch ein wenig aufzubessern.
Dieser Italienaufenthalt verändetrt sich immer mehr in ein Rundumauffrischkurs für alle Sprachen, die ich je gelernt hab (Polnisch, Englisch, Französisch, Spanisch), oder immer schon mal lernen wollte (Niederländisch, Norwegisch). Ich hoffe nur, den Leuten fällt nicht zu sehr das gierige Glitzern in meinen Augen auf, wenn ich sie sehe. Samstag versuche ich auch, mit mit Paula zu treffen, weil es mich richtig wahnsinnig macht, dass mein Polnisch auf einmal flöten geht, nur weil mein Kopf das nicht hinbekommt.

Die aktuellste Nachricht ist auch, dass ich mich doch dazu entschieden habe, Weihnachten nach Hause zu kommen. Eva, Katharina, Melanie (die Deutsche) und Bettina sind sehr stolz auf mich, dass ich mich doch zu dieser Entscheidung durchgerungen habe und freuen sich für mich. Und ich muss zugeben, dass, seit ich es laut ausgesprochen habe, auch mehr im Gleichgewicht mit mir selbst fühle und alles nicht mehr ganz so dunkel sehe. Mein geplanter „Urlaub“ hätte einfach nicht die vollen zwei Wochen gefüllt und hätte mich zu viel Geld gekostet, so sehr ich auch versucht hätte, preiswerter Unterkünfte zu finden. Außerdem ist mir eingefallen, und meine Mutter hat mich mehr als deutlich darin bestätigt, dass es vielleicht nicht so schlau ist, im Dezember/Januar Städtereisen zu machen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass es regnerisch, kalt und uselig ist, nicht ganz so klein ist. Zu Hause werde ich mich in eine warme Decke hüllen, Tee trinken und mich einfach entspannen. Ich hoffe nur, dass der Schock nicht allzu groß sein wird, wenn ich dann wieder zurückkomme, aber man überlebt glaub ich vieles. Und außerdem hat, wenn ich dann zuürckbin, das neue Jahr begonnen und ich sehe meiner vollen Rückkehr schon fast ins Angesicht.

Samstag, 6. November 2010

Irgendwas fehlt...

Es ist jetzt ca. Anfang, fast Mitte November und wir haben so Temperaturen bis zu 22 Grad...Man kommt sich wirklich vor, wie im Sommer, man geht Eis essen, man zieht seine Jacke aus, man hat Seine Sonnenbrille immer dabei. Dabei geht bei mir das Zeitgefühl verloren und ich ertappe mich dabei, wie ich darüber nachdenke "Jetzt, im Sommer..." Laura meint, die Kälte würde schon noch kommen, ich solle sie ja nicht herbeiwünschen, aber trotzdem fehlt etwas. Weihnachten. Jetzt, von hier aus, sehe ich, dass wir in Deutschland eine richtige Weihnachtskultur haben, die mir vorher wie selbstverständlich vorkam, die die Italiener aber bewundern. Auch hier gibt es hier und da ein paar Lichterketten zu kaufen oder so, aber es will einfach keine richtige Stimmung aufkommen. Wie auch, wenn man das glitzernde Meer und die Palmen vor der Nase hat. Aber ich hätte wirklich nicht gedacht, dass man in Italien so gut wie gar nichts in dieser Jahreszeit macht. Und alle erzählen mir, wie schön wir es uns in Deutschland doch machen, mit dem Schmücken und allem. Es ist nicht wirklich so, dass ich jetzt unbedingt schmerzlich Weihnachten vermisse, aber ich merke auch, wie schön unsere Kultur ist und dass wir fast schon berühmt für die Dinge sind, die sie in Italien nicht haben: Die Weihnachtslieder, die Kekse, die Weihnachtsmärkte, das Schmücken, das Besinnliche, das Glühweintrinken, ...

Freitag, 5. November 2010

Happy Birthday

Sooo...Ich glaube die Zusammenfassung meines letzten Wochenendes steht langsam mal an...Momentan spiele ich irgendwie lieber Spider Solitär oder Mahjong, weil man da so herzlich wenig an andere Dinge als Karten oder Spielsteine denkt, vor allem nachdem meine Lehrerin Sara mir verboten hat, dieses Nummernspiel zu machen, was Anna uns in der Oberstufe beigebracht hat, wo man die Ziffern durchstreichen muss. Sie meint, ich würde zu viele intelligente Dinge tun...Okay.
Also mein Wochenende war großartig, was mir nach meinem Geburtstag nur noch wie ein süßer Traum vorkommt. Am Freitag Abend bin ich (nachdem ich den halben Tag nur Auto gefahren bin weil die Herren Söhne von der Schule abgeholt werden mussten, zum Zahnarzt gebracht und abgeholt werden mussten etc) mal zu Eva nach Hause gekommen, weil ihre Gastfamilie für eine Woche weggefahren ist. Wir waren Pizza essen und Martini Soda am dunklen Strand trinken und sind für ein Eis, was wir im Endeffekt doch nicht gegessen haben, weil uns die Lust vergangen ist, mehr als eine halbe Stunde durch die Stadt gelaufen, wofür Eva mich glaub ich wirklich umbringen wollte, weil sie im Gegensatz zu mir tagsüber schon ziemlich viel gelaufen ist, da in Genua wegen eines Streiks kein Bus mehr fuhr. Am Ende war es schon zwei Uhr und wir fielen tot ins Bett (in Genua, hihi) und wunderten uns, wie wir es wohl ausgehalten hätten, wären wir in die Disco gegangen, was wir eigentlich vorhatten, die aber eh erst ab 12 aufmacht. Am nächsten Tag war ich dann gegen zwei Uhr zu Hause, hab 'nen Mittagsschlaf gemacht und bin wieder nach Genua, um mich mit Anna und Daphne und später mit Katharina zu treffen. Bei Anna und Daphne war ein neues Aupair, Paula aus Polen, an dessen Fersen ich mich sobald geheftet habe, um die Chance zu nutzen, ein wenig polnisch zu sprechen. Es ist mittlerweile wirklich anstregend, weil in meinem Kopf einfach sooo viel Italienisch ist, was im Vergleich mit Polnisch nicht unbedingt eine andere Sprache ist, in meinem Kopf harmonieren beide Sprachen hervorragend miteinander. Nur, wenn ich versuche, NUR polnisch zu sprechen, will es mir einfach nicht gelingen. Aber ich habe ja noch Zeit. An diesem Tag war ich schon gegen elf zu Hause, weil ich soooo müde war...
Am Sonntag (als es wie Sau geregnet hat, mein 3-Euro-Sonnengelber Regenschirm ist endgültig tot, ihm ist ein Arm abgefallen) bin ich zu Eva nach Hause (mit Essen im Gepäck, weil ihre Gastfamilie ihr weder Essen noch extra Geld dagelassen hat. Wenn ich mir etwas zu Essen für zu Hause kaufe, bekomm ich das Geld immer wieder). Wir haben uns italienische Filme angeschaut und Sonntag Abend musste ich dann noch Babysitten, was aber nicht schlimm war, es war ein ruhiger Abend. Montag bin ich dann wieder zu Eva und wir haben schon wieder Filme geguckt. Im Filmeregal ihrer Familie habe ich König der Löwen entdeckt und Eva angewiesen, sich den anzuschauen, was sie auch brav getan hat und, wie sollte es auch anders sein, den Film gut fand. Mit 22 Jahren führe ich das arme Kind in die Welt von Disney ein.
Eigentlich wollte ich zum Abendessen zu Hause sein, aber mein Zug ist ausgefallen. Dafür habe ich dann ein schwedisches Ehepaar kurz vor dem Rentneralter kennengelernt, mit denen ich dann auf englisch im Zug über die ganzen italienischen Sachen und Schule und sowas geredet habe. Meno male! (Nicht schlecht!)
Am nächsten Tag war er dann da, der berüchtigte 0211, mein Geburtstag!!! Was als stille Hoffnung begann, wurde nachher...kein so guter Tag. Morgens im Zug lernte ich Helena, eine Frau aus Lavagna, mit ihrem 6-jährigen Sohn Marco kennen. Wir unterhielten uns viel und sie gab mir ihren Namen, um sie bei Facebook zu suchen und sie war die erste, die mir an diesem Tag zum Geburtstag gratulierte. Mir gings schon von Anfang an irgendwie nicht so gut, da ich gerade an diesem Tag meine Eltern und meine Freunde und die ganze Geburtstagstradition, die wir so abgehalten haben und einfach alles vermisste und ich war froh, dass Eva und Katharina an mich gedacht haben. Sie gratulierten mir sofort und nach dem Unterricht haben sie mir beim caffè sogar zwei kleine italienische Teilchen geschenkt. Als ich nach Hause kam, wie so nebenbei für eine Sekunde in den Arm genommen wurde (nachdem ich bereits eine halbe Stunde zu Hause herumgeisterte) und ein leises „Auguri!“ von Laura vernahm, ließen sie mich dann mit einem Berg Arbeit allein zu Hause. Ich habe die Küche aufgeräumt, zwei Stunden gebügelt und das Abendessen vorbereitet. Als ich all' die Glückwünsche bei Facebook gesehen habe und meine Mutter mich angerufen hatte, konnte ich mich mit den Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich war einfach so sentimental an diesem Tag, dass ich gar nicht wusste, wo mir der Kopf stand. Noch heute wirkt das ein wenig nach und ich bin ein wenig konfus, weil die ganze Sicherheit und das „Glück“, was ich mir in den letzten Wochen und vor allem am vergangenen Wochenende aufgebaut habe, stark beschädigt sind und meine Träume mir nichts anderes zeigen, als Szenen von zu Hause. Am Mittwoch wurde es fast noch bunter, aber ich hatte nicht mehr die Lust, über das nachzudenken, was ich da gerade tat: Als ich Dani von der Schule abholen wollte, winkte mich die Lehrerin schon heran und verkündete die Hiobsbotschaft: Dani hat seine Zahnspange verloren! Da man dieses kleine Stück Eisen mit einem blauen Plastiküberzug nicht wirklich Spange sondern eher auseinander gebogene Büronadel nennen sollte, kann man sich meine Begeisterung vorstellen. Wir hatten sie schon einmal zu Hause verloren, aber Laura konnte sie wiederfinden, aber in der Schule? Dann die Erörterung: Wo hat er sie verloren? In der Mensa. Aha, also beim Mittagessen. Wie? Eingewickelt in ein Taschentuch/Serviette hat er sie einen Moment allein gelassen und weg war sie. Was machen wir jetzt? Wir suchen im Müll!!! Also haben sich die Lehrerin, eine Mitarbeiterin aus der Küche und ICH einen Müllsack aus dem Container genommen und den auf der Straße neben der Schule durchsucht und zwar Serviette für Serviette. Dass das ein Mittagessen für über 100 Kinder war und in dem Sack auch noch Brot, Tortellini und halbleere Joghurtbecher waren, machte die Sache nicht einfacher. Später haben wir den Sack mitgenommen und ich habe ihn auf einem Parkplatz dann nochmal alleine durchsucht, aber niemand hat etwas gefunden. Ich Idiot! Ich hätte Danis Mutter den Sack vor die Nase stellen sollen und sie hätte das machen können, aber wie gesagt, nach Dienstag war ich zu allem bereit. Jetzt ist das Stück Draht weg und mich wird mein Leben lang der Geruch von weggeschmissenem Erdbeerjoghurt verfolgen. So viel dazu...
Jetzt hat Bettina, die Frau aus meinem Kurs, die wegen ihres Lebensgefährten hier ist, mir erklärt, dass man hier nicht mit deutschen Geburtstagstraditionen rechnen kann, solange man nicht mit riesigen Hinweisschildern durch das Haus läuft und dass sie Francesco, ihrem Freund, auch erstmal klarmachen musste, was sie von so einem Tag eigentlich erwartet. Jetzt hat das gute Ding beschlossen, wir können mich nicht einfach so sitzen lassen und lädt uns für nächstes Wochenende zu sich nach Hause zum gemeinsamen Kochen ein, als Geburtstagsfeier sozusagen. Ich bin so gerührt. Eva und ich haben sowieso schon vor langer Zeit beschlossen, dass diese Frau einfach ein Goldstück ist und ich bin einfach immer so glücklich, wenn ich die Schule betrete und Eva und Katharina und Bettina und meinetwegen auch alle anderen sind da und alle sind gut drauf und auch alle, die dort arbeiten, von dem verrückten Alessandro, der am Freitag vor Halloween mit einem riesigen Stofspitzhut und einem langen Bart, den man sich mit so einem Gummi vors Gesicht hängen kann mit Kuchen und Saft durch die Klassenräume gelaufen ist und uns damit bedient hat, zu Eleonora, die uns alle wie eine Mutter in dieser Schule willkommen heißt und mit uns Späße macht, uns Geschichten erzählt, wir trotzdem was dabei lernen, uns knufft und liebhat, bis hin zu Sara, meiner Lehrerin, die mit ihrer lockeren lustigen Art und ihrem nie endenden Interesse für unsere deutschen Gespräche und Gedanken den Unterricht immer farbenfroh gestaltet und so herzlich über unsere deutschen Italiener-Witze lacht. Diese Schule ist wirklich jeden Euro wert und das sage nicht nur ich Schulfetischist, das sagen alle, auch ganz normale Leute.

Die andere gute Nachricht dieser Woche ist, dass ich mich mal auf den Weg gemacht habe und Genua nach einer Winterjacke für mich durchsucht hat UND: Ich bin fündig geworden! Direkt die dritte oder vierte Jacke, die ich anprobiert habe, hats mir angetan und wurde sofort gekauft. Dies ist jetzt aber wirklich ein Mantel für den Winterwinter, jetzt ist mir die Lust auf eine sogenannte „Übergangsjacke“ (ich liebe die deutsche Sprache) gekommen...Mal sehn.

Samstag, 23. Oktober 2010

Genua

Es geschehen Dinge auf dieser Welt...
Eleonora hat uns letztens von ihrer Zeit als Aupair erzählt. Sie war zuerst ein Jahr in England und wollte dann noch ein Jahr in Deutschland machen. Gelandet ist sie in einer kleinen Stadt am Bodensee. Das Haus war prächtig mit einem großen Garten und alles schien perfekt: Sie hatte ein Schlafzimmer, ein kleines Arbeitszimmer und ein Bad ganz für sich alleine. Das komische war nur, die beiden Kinder, 13 und 15, waren in England auf Sprachreise. Kümmern musste sie sich um die Mutter der Hausfrau, die mit im Haus lebte. Vormittags kochte sie für sie und aß mit ihr und nachmittags ging sie dann zur Sprachschule. Teil ihrer Arbeit war auch, mit der Großmutter Fernsehen zu schauen und sie so zu beschäftigen, während die Hausfrau ihren Liebhaber empfing, kurz nachdem ihr Mann, Polizist von Beruf, das Haus verlassen hatte. Der kam natürlich immer mit seiner Pistole nach der Arbeit nach Hause und legte sie auf einem Tisch ab, sie hatte jeden Tag Angst, was wohl passieren würde, hätte er den Liebhaber je entdeckt.
Ein anderes Problem war, dass die Alte ein Gebiss hatte, dass sie ständig irgendwo ablegte und dann natürlich zu schwach und zu vergesslich war, es selbst wiederzufinden, so rief sie dann immer: „Eleonore, meine Zähne!“ und die arme 20-jährige Eleonora ging dann auf die Suche im Haus und im Garten, denn es war Sommer. Immer wenn die Aupairs sich nachmittags in der Schule trafen, wurden alle Erlebnisse ausgetauscht und natürlich jammerten alle: „Meine Kinder, meine Kinder!“ und Eleonora musste immer sagen: „Meine Alte, meine Alte...“

Freitag Abend war ich wieder mit Eva chinesisch essen, doch dieses Mal geschahen seltsame Dinge...Eva ist wegen ihrer blonden Haare eigentlich überall ein Blickfang, es gibt wirklich viele gaffende Blicke, auch wenn wir immer noch in Europa sind und Skandinavien nicht weit ist. Jedenfalls saß dann zwei Tische weiter ein Mann, der ziemlich betrunken war und auch sonst viel zu eigenartig, der auf einmal sein Handy auspackte und anfing, Fotos von ihr zu schießen. Am Anfang haben wir noch versucht, dass einigermaßen zu ignorieren. Zwischen uns und dem Kerl saß noch ein Mann alleine an einem Tisch, der nur leise vor sich hingrinste und mit seinem Glas in die Luft prostete, sonst aber nichts getan hat, wir hätten uns ein wenig Unterstützung gewünscht. Als der Betrunkene eine zweite Fotoreihe beginnen wollte, haben wir der Besitzerin des Restaurants Bescheid gesagt, die ihn dann zurechtwies und auch der Koch kam aus seiner Küche heraus und entlud seinen Ärger, es war nicht das erste Mal, dass der Kerl im Restaurant war. Irgendwann wurde auch ich laut und schiss den Kerl an, aber wie das so ist, war er einfach zu benebelt, um noch irgendwas mitzubekommen. Der Typ zwischen uns genoss indessen ruhig sein Abendessen und versicherte uns noch, er würde keine Fotos machen. Tolle Information! Irgendwann stand der Typ, also der untätige Grinsende, auf, um bezahlen zu gehen, kam aber vorher noch bei unserem Typ vorbei und fragte, ob wir Italienisch sprechen würden (das wir den Betrunkenen auf italienisch angesprochen haben und auch mit der Besitzerin Italienisch sprachen, scheint wohl an ihm vorbeigegangen zu sein), versicherte Eva noch einmal, er würde ja keine Fotos machen und fragte dann mich, ob er mir was sagen dürfte. Ach, er wolle es doch auf Englisch sagen, beugte sich zu unserem Tisch runter, sagte zu mir: „You're beautiful!“, gab mir die Hand und sagte dann auf Italienisch: „Ciao, Lorenzo!“ Ich verstand die Welt nicht mehr. Wie kann man es schaffen, in einem Restaurant mit zehn Tischen auf gleich zwei alleinstehende Idioten zu treffen. Er ging zur Bar, um zu bezahlen und auch wir entschieden, zu flüchten, bevor der Betrunkene auf weitere dumme Gedanken kommen würde. An der Bar bot uns der andere Komische noch einen caffè oder einen Grappa an, stellte sich mir schon wieder vor (Lorenzo ist kein Name, den man nach zwei Sekunden vergisst, meine Güte...) und preiste meine Schönheit, bis auch er endlich verschwand. Die Besitzerin des Restaurants schickte ihren 22-jährigen Sohn aus der Küche, um uns noch zwei Straßenblöcke zu begleiten, während sie aufpasste, dass der Betrunkene noch eine Weile sitzenbleibt, der war auf seinem Platz aber mehr als glücklich.
In dieser Woche ist Fabio, mein Gastvater, zu Hause geblieben, weil er sich nicht gut fühlte. Seit Montag bist morgen Sonntag ist er eine ganze Woche zu Hause geblieben, was besonders Montag früh ziemlich verwirrend für mich war. Normalerweise schlafe ich Montags immer aus und bin alleine zu Haus, wenn ich dann aufstehe, an diesem Morgen habe ich mich in meinem Bett gefragt, ob sich Einbrecher Kaffee machen, bevor sie gehen, weil ich entsprechende Geräusche in der Küche hörte. Naja, er hat dann alle zwei Stunden sein Fieber gemessen und sagte bereits Dienstag beim Abendessen zu Laura und mir: Ich sterbe! So ein Jammern hab ich wirklich noch nie erlebt, trotzdem hat er es nebenbei noch geschafft, jeden Tag für uns zu kochen und Kekse zu backen. Am Anfang hatte ich Bedenken, wie das wohl ist, mit dem alleine zu Hause zu sein, wenn alle in der Schule sind und so, aber ich muss sagen, für mich war es relativ entspannend, für Laura weniger. Also Vorteile für mich waren, dass er echt viel gespült und aufgeräumt hat, Tee für Dani, sich und mich gekocht hat und auch so haben wir uns irgendwie gut verstanden. Unsere Gespräche drehen sich eigentlich fast nur um internationale Küche und Essen und Unterschiede der jeweiligen Nationen, aber auch wenn ich dann von irgendwo nach Hause komme, fragte er immer sehr brav, wie es war und half mir immer geduldig wenn ich mit meinen Büchern und Hausaufgaben auf ihn zugelaufen kam, um Vokabeln nachzufragen. Für Laura, war es anstrengender, weil sie jetzt jeden Tag noch jemanden im Haus hatte, mit dem sie sich streiten konnte und der sie kritisiert hat. Aber wir haben die Woche alle überlebt und Montag früh fährt er dann hoffentlich auch wieder nach Mailand, dann ist die Welt auch wieder in Ordnung. Denn ein Thema, was auch Eva beschäftigt hat, ist, wie gehst du eigentlich mit so einem um? Das ist ein Mann, mit dem zu zusammenwohnst, der aber weder dein Vater noch dein Freund ist, und den auch nicht nur Arbeitgeber nennen kannst. Es ist eine komische Art von Zwischensituation, mit der man vorher noch nie konfrontiert war. Aber man gewöhnt sich ja an alles...
Neueste Neuigkeit ist auch, dass ich eine neue "Freundin" gefunden habe. Habe vor ein, zwei Wochen auf dem Spielplatz eine Mutter kennengelernt, mit der ich mich ziemlich gut unterhalten habe und ein paar Tage später sind wir uns vor Danis Schule begegnet. Ihr Sohn geht in den Kindergarten, der sich im selben Gebäude befindet, wie die Grundschule und so gehör ich jetzt auch zu denen, die eine andere Mutter mit Küsschenlinksküsschenrechts begrüßt und dann munter drauflosquatscht. Schon fast, wie die anderen Frauen, die immer im Rudel auf ihre Kinder vor der Schule warten.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Schicksal

Unser Konversationskurs ist ein Schicksalsentscheider! Letzte Woche sprachen wir über die Leidenschaft aller Italiener, den Fußball, und benannten dabei auch das Problem der Hooligans und der Gewalt, die immer mehr Thema des aktuellen Fußballs werden. Kurze Zeit später nehmen serbische Fans bei der EM-Quali in Genua das Stadion auseinander und das in einer Art, dass sogar das ganze Spiel nicht stattgefunden hat. Diesen Freitag sprachen wir über das Verhältnis zwischen den Italienern und schlechtem Wetter, insbesondere Regen, und puff!, fängt es Samstag an zu regnen, nachdem wir die ganze Woche über die Sonne genossen haben. Vielleicht ist Eleonora eine Hexe...
Dieses Wochenende war auch für mich relativ arbeitslos verlaufen. Freitag nach der Schule sind Laura und Dani zum Kieferorthopäden gefahren, der Dani jetzt eine Zahnklammer verpasst hat (endlich putzt er sich dann auch die Zähne mal besser und öfter), so dass ich Zeit hatte, mit Jana zu telefonieren, was auch langsam echt mal fällig war. Ist wohl meine Schuld, ich schaff es einfach nicht, mich jetzt hinter die Vodafone-Leute zu hängen und mein Internet mal klarzumachen und bin irgendwie auch ständig am schlafen oder unterwegs. Aber ich versuche mich zu bessern!
Den ganzen Abend war dann niemand zu Hause und als sie dann kamen, gab es gleich Abendessen, sprich, der Tag endete danach für mich.
Samstag hab ich dann wieder frei bekommen, weil ich nicht gebraucht wurde. Ich hab mir mal die Zeit genommen, fast eine Stunde an meiner Scheibe Brot und meiner Portion Joghurt mit Früchten herumzukauen, um dann ganz bequem den Zug nach Genua zu nehmen. Freitag Abend habe ich von Isa erfahren, dass unser geplanter Südtirol-Trip leider ausfallen muss, weswegen ich dann überraschend Samstag Abend (an dem ich eigentlich schlafen wollte) und Sonntag für andere Dinge zur Verfügung hatte. In Genua habe ich es sogar geschafft, eine Tischreservierung, die eigentlich nur Eva und Katharina berücksichtigte auf mich zu erweitern, so dass wir gemeinsam zu Abend gegessen haben. Habe den Nachmittag Straßen und Ecken erkundet, die ich in Genua noch nicht kannte und war mit Eva und dem Hund ihrer Familie aus. Abends (es regnete bereits fast den ganzen Tag) genossen wir eine herrliche Pizza in einem der am besten besuchten Restaurants Genuas. Wir saßen draußen, weswegen wir die Schlange vor der Tür und die herumlaufenden Rosenverkäufer bestens im Blick hatten. Dort hab ich auch mal wieder gesehen, was es heißt, ein „typischer Genovese“ zu sein: Der Rosenverkäufer hielt seine Rose über die halbhohen Raumteiler, um sie den Paaren an den Tischen anzupreisen. Ein Mann war so sehr davon genervt, dass ihm diese Rose so nah vorgehalten wurde, dass er sie sich nahm, sie in der Mitte zerbrach und sie dem Typen zurückgab. Genervt sein hin oder her, man zerstört nicht das Eigentum dieses Mannes, der muss auch Geld dafür bekommen.
Danach waren wir noch Eis essen und Bier trinken und genossen den Samstagabend in Genua, mit Regen. Diese Stadt ist aber einfach zu windig, Evas und mein Regenschirm sind jetzt Halbinvaliden, weil sie den Voraussetzungen einfach nicht gewachsen waren. Aber wir hatten so viel zu lachen und so viel zu erzählen, dass uns nichts stören konnte.

Sonntag war ich mit Eva bei IKEA! Laura war ganz schockiert davon und ich glaub jeder Italiener wäre es auch, dass wir uns ca. eine Stunde vom Zentrum aus auf den Weg „nach außerhalb“ gemacht haben, und das auch noch ohne Auto! Aber es hat sich sooo sehr gelohnt. Man hat sich einfach wie zu Hause gefühlt mit all' den schwedischen Namen. Die Anordnung der Ausstellungsstücke ist auch die gleiche, so dass man sich wirklich wie im IKEA in Düsseldorf fühlt. Oder in Stuttgart. Wir mussten alles anfassen und uns über alles freuen und uns auf die Betten legen und aaah...es war wie im Paradies. Eine babyblaue/schlüpferblaue Kuscheldecke musste dann auch noch erworben werden, damit wir auch nachts im Bett von Ikea träumen können. Und wieder ein Eis bei unserer Liebslingseisdiele in der Altstadt von Genua! Ein rundes und gelungenes Wochenende.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Initiative

Nach langem Meckern und Nachdenken und eingehenden Diskussionen innerhalb des Sprachkurses haben einige von uns Mädels nun endlich die Initiative ergriffen und getan, was getan werden musste: Wir haben Schwarzbrot gekauft!
Es ist ja bekannt, dass die Italiener das Frühstück nicht gerade als wichtigste Mahlzeit des Tages ansehen, aber, dass wir doch so darunter leiden würden hätte auch ich nicht gedacht. Das gängigste Frühstück bei vielen von uns war eine Tasse heiße Milch oder Milchkaffee mit drei bis fünf Keksen. Kekse, die dir schon aus dem Schrank zurufen: „Wir sind Kalorienreich, aber wir machen nicht satt...“ Am Anfang probiert man es mit drei Keksen, nach zwei Stunden (oft mitten im Unterricht) hat man dann wieder Hunger. Und da wir immer nach dem Unterricht noch ca. 1,5 Stunden gemeinsam in Genua verbringen, bevor jeder wieder arbeiten muss, ist der Weg zum nächsten Focacciaio nicht weit. Das schlägt zum einen auf den Geldbeutel und zum anderen macht es, genau wie die Kekse, nur kurz glücklich und bereitet einem beim Wiederloswerden dieser Sünde ordentlich Sorgen.
Zur Information, ein Focacciaio ist der Typ, der die Focaccia in der Focacceria macht, das Grundnahrungsmittel aller Ligurier. Es ist einfach leckeres Brot, schwer zu beschreiben und gar nicht mit dem zu vergleichen, was man in Deutschland unter dem Namen Focaccia bekommt. Diese F. verfolgt einen überall hin, ob nun die Kinder auf dem Spielplatz ein Stück zum Snack essen, oder ob man sie auf dem eigenen Abendessenstisch auf einmal vor sich liegen hat. Man kann sie auch überall kaufen. Wirklich überall! Jedenfalls schmeckt sie viel zu gut, macht uns allerdings ziemlich fertig, da man danach überhaupt nicht glücklich ist. Ah und es gibt Leute, die Focaccia auch frühstücken, aber das ist auch keine Lösung für uns. Bei mir zu Hause gibt es zum Beispiel Kinder Paradiso (die italienische Schwester der Milchschnitte), mit der ich mich anfreunden wollte, aber auch sie hat mich nicht glücklich machen können. Und drei Kekse machen nicht satt und fünf machen ein schlechtes Gewissen.
Luxussorgen, die sich nur Aupairs in Italien leisten können, also was haben wir gemacht, wir sind einkaufen gegangen und haben Brot gekauft, auf dem hinten auf der Verpackung steht: prodotto in Germania. Kann ja nur gut sein. Dazu landete noch Edamer in meinem Einkaufskorb und heute morgen gab es ein herrliches Fest mit einer Tasse Tee English Breakfast No. 1 mit Honig (den ich mir auch kaufen musste, da Laura keinen Honig mag und ihn somit auch nicht kauft. Hier wird eh alles mit Zucker gesüßt. Auch beim Nesquikkakao, der ja bekanntlich bereits Zucker enthält, wird noch nachgeholfen.), einer Scheibe Schwarzbrot mit Käse und einer Portion Erdbeeren und Bananen mit Honig! Während alle um mich herum am Hetzen und Schreien waren saß ich in meiner deutsch-englischen Seifenblase und träumte von Weizenfeldern und Bienenstöcken. In der Schule wurde sich dann ausgetauscht, ja wir sind alle zum gleichen Zeitpunkt tätig gewesen. Nun sind unsere größten Sorgen gelöst und wenn meine Daunendecke aus Deutschland endlich bei mir ist und ich die Laken und die Wolldecke in den Schrank pfeffern kann, dann...schau ich, woran ich danach rummeckern kann. Nein, mann muss schon sagen, Italien hat kulinarische Höhepunkte, da kommt kein Deutscher heran, aber es gibt Dinge, auf die kann man einfach nicht verzichten. Italiener fahren auch in Urlaub und kaufen vorher ganz viele Dinge aus Italien, damit sie bloß nicht ausländische Gerichte mit ausländischen Lebensmitteln kochen müssen.
Ein anderer Kulturschock der Dritten Art erwartete mich im Supermarkt, als ich, natürlich auf der Suche nach Brot, durch die Regale streifte. Babynahrung gibt es auch hier, wie bei uns, in kleinen Gläschen und natürlich gibt es Babybrei mit Apfel-, Pflaumen- oder Birnengeschmack. Es gibt aber auch die Sorten: Strauß, Kaninchen, Mozarella, Parmigiano Reggiano, Rind & Schinken, Rind, Huhn, Lachs, Lamm, ...Ich hoffte, im Regal mit der Tiernahrung gelandet zu sein, aber ich wurde enttäuscht. Ekelhaft. Natürlich ist das alles mehr oder weniger normales Essen, aber ich füttere mein Baby doch nicht mit Kaninchenbrei, wenn ich vielleicht einen Tag vorher im Streichelzoo gewesen bin. Vielleicht gibt es einfach zu wenige Streichelzoos in Italien...

Ein anderes Thema ist die Frage meines Sprachkurses. Da immer noch nur ich und eine andere Frau (ich habe jetzt erfahren, dass es eine Frau, kein Aupair, ist), die allerdings sogar schwanger ist und ihr flexibler Einzelunterricht besser gefallen würde, da es bereits ihr drittes Kind ist, haben wir heute beschlossen, dass ich im 3. Niveau bleibe, wo ich mich hervorragend aufgehoben fühle und nette Mädels (und Frauen) um mich herum habe. Außerdem meinte Sara, unsere Lehrerin, zu Eleonora: Ich will sie! Wie kann man da Nein sagen...Später werden wir dann alle zusammen ins vierte Niveau aufsteigen und werden alle glücklich sein. Ich habe außerdem auch während des Unterrichts gemerkt, dass mir die Wiederholung gewisser grammatikalischer Strukturen guttut. Außerdem haben wir immer viel zu lachen und es wäre zu schade, in einen anderen Kurs zu wechseln, der mit gekürzter Stundenzahl beginnt, weil die Mindestzahl an Teilnehmern nicht erreicht worden ist. Soviel dazu.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Einen Monat, eine Woche, einen Tag

Nach einer wieder üblichen Woche mit Schule und den üblichen Aufgaben näherte sich dann das Wochenende. Bereits völlig geschafft ging es am Freitag noch zum Konversationskurs in der Schule, wo wir über die Fußball-Verrücktheit aller, zumindest der männlichen Hälfte, Italiener gesprochen haben und ein Fußballlied gehört haben. Dort hat sich auch zum ersten Mal ein Mann blicken lassen, der mich in einer anderen Sprache fordert: Ein Pole, der in Südtirol lebt, viel in Deutschland gemacht hat, deswegen ziemlich gut Deutsch spricht, jetzt bei uns in der Schule auch noch Italienisch lernt. Naja...die Fußballstunde war jetzt in Ordnung, ich weiß zumindest, was Schiedsrichter auf Italienisch heißt.
Samstag hatte ich dann schon ab Mittag frei und fuhr nach Genua, um ein neues Aupair kennenzulernen, die vielen von uns eine Email geschrieben hat. In Genua trafen sich dann also: Luci, die Neue, aus Österreich, Ich aus Deutschland, Daphne aus den Niederlanden, Maria aus Finnland und Anna aus Norwegen. Unsere Media war Englisch und es tat wirklich gut, mal wieder in dieser Sprache mehr als zwei Sätze zu sprechen und wir verbrachten bis acht den ganzen Nachmittag miteinander. In dieser Zeit habe ich sehr viel über holländische Vorurteile gegenüber Deutschen gelernt (Alle Holländer wissen, wenn sie ein großes Loch am Strand sehen, dass Deutsche dagewesen sein müssen, da sie bemerkt haben, dass viele Deutsche am Strand gerne ein großes Loch buddeln, um sich dann dort einzugraben), österreichische Meinungen usw. Um acht holte mich Eva in der Stadt ab und wir gingen gemeinsam chinesisch essen, es war herrlich! Wir verbrachten einen so schönen ruhigen Abend miteinander, gingen noch ein Eis essen und genossen den Abend in Genua, tauschten uns viel aus und entdeckten, dass wir uns, was Einstellungen und Meinungen über andere Menschen und übers Leben angeht, ziemlich ähnlich sind. Ich fand alles sehr stimmig. Und mein erster Abend in Genua (nach einem Monat, haha) war wirklich gelungen. Nachdem ich dann um ca. halb zwei im Bett war, musste ich aber leider Sonntag bereits früh aufstehen, da endlich der Tag unseres Ausflugs gekommen ist! Alle aus der Sprachschule, die Zeit und Lust hatten, haben sich zusammengefunden und wir haben Camogli und San Fruttuoso besucht. Auch, wenn ich dort schon war, war es in Gesellschaft natürlich viel schöner und man entdeckt im Endeffekt auch in dem kleinsten Dorf der Welt noch neue Wege (bergauf, versteht sich...). Ein gelungenes Wochenende!