Willkommen!

Willkommen! Dies ist Romys Blog über ihre Erlebnisse in Rapallo und Umgebung. Ich freue mich, dass du hierher gefunden hast.



Anekdoten

Sonntag, 23.01.2011
Paula, Mélanie und ich laufen über die Via XX Settembre. Viele Geschäfte sind noch auf und alle stauen sich auf dem Bürgersteig. An einer Ecke steht ein Straßenmusiker und spielt bemerkenswert gut seine Lieder. Vor ihm liegt ein Instrumentenkasten, wo Leute Geld reinwerfen können. Daneben steht ein Becher mit einem Schild: Erste Hilfe! Wenn dir meine Musik wehtut, kannst du hier reinkotzen!
Daneben stand ein weiterer Geldbehälter mit dem Hinweis: Gebt hier für Berlusconi, weil er jeden Cent brauchen wird, wenn er sein Schicksal treffen wird

Montag, 17.01.2011
Montagfrüh, alle sind weg, ich bin zu Hause. Plötzlich bekomm ich einen Anruf von Laura, Chicco gehe es nicht gut, sie könne leider nicht von der Schule weg, ob ich nicht bei ihr vorbeikommen könne (von Rapallo nach Camogli), das Auto nehmen könne und dann Chicco von der Schule (von Camogli nach Recco) nach Hause bringen könne (von Recco zurück nach Rapallo). Ja klar, kann ich. Also auf in den Zug, zu Laura in die Schule. Vorher fragte sie mich noch nach meinem Nachnamen, weil sie ein Fax in Chiccos Schule schicken müsse...
Als ich bei Chicco in der Schule ankam, saß er im Sekretariat und wartete auf mich. Aber den durfte ich nicht einfach so mitnehmen, nein. Die Sekretärin (der meine Ankunft mit meinem vollen Namen ja per Fax bereits mitgeteilt worden war) brauchte meinen Ausweis, um davon eine Kopie für die Akten zu machen, eine Unterschrift unter der Kopie und eine Unterschrift in einer Mappe, die Unterschriften neben dem Namen jedes Schülers dieser Schule von den Personen enthält, die berechtigt sind, die Schüler im Falle eines vorzeitigen Abbruchs des Schultags nach Hause zu nehmen. Dann unterschrieb ich noch zwei Mal in Chiccos kleinem Buch, welches sein vorzeitiges Gehen dokumentiert und durfte endlich mit ihm gehen. Achso und vorher musste er seine Chipkarte (von der ich weiter unten bereits erzählt habe) noch schnell scannen, um zu dokumentieren, dass er exakt um diese Uhrzeit die Schule verlassen hat.
Wahnsinn!

Samstag, 20.11.2010
Mittagessen, die ganze Familie ist da. Die Stimmung ist gereizt, weil Chicco schon den ganzen Vormittag rumschreit, wenn er nicht bekommt, was er will, rumzickt und seinen Vater beleidigt. Er hat Streß, denn sofort nach dem Mittagessen ist er zum Basketballspielen verabredet, sein Ball ist aber labberig, weil nicht genügend Luft drin ist. Beim Essen sagt kaum einer ein Wort, aus Respekt vor der Situation. Am Ende schafft es Chicco dann doch noch, seinen Vater dazu zu bringen, ihm diesen Ball noch einmal aufzupumpen und das während er am Tisch sitzt. Da das eine sehr heftige Bewegung ist, wackelt der ganze Tisch und Wasser schwappt über die Glasränder. Dani hat sich indessen eine Banane geholt und zerteilt sie energisch mit einem Messer auf seinem Teller in Stücke. Es macht unentwegt tonk tonk tonk...Um keine Überschwemmung zu verursachen, rücken Laura und ich den Tisch etwas weg von Fabio, damit er mehr Platz für den Ball, die Pumpe und sich hat. Nach ca. 2 Minuten guckt Dani von seiner Banane auf, schaut in die Runde, bemerkt die veränderte Position seines Stuhls zum Teller und fragt in einem so unschuldigen Kinderton: Hat der Tisch sich bewegt?
Man könnte sagen, er hat damit die Stimmung gerettet :)

Sonntag, 14.11.2010
Ich sitz im Zug von Genua auf dem Weg nach Hause. Es ist ca. 11 Uhr nachts. Im ganzen Waggon sitzen nur ein komischer dunkler Mann und ich, jeder auf seinem Plätzchen nur durch eine Sitzbank voneinander getrennt. Irgendwann kommt ein Ticketkontrolleur, ich zeig ihm mein Ticket, er wirft einen kurzen Blick drauf, alles ist in Ordnung. Dann geht er diesen Meter weiter zu dem Mann und der fängt an, nervös in seinen Taschen herumzukramen. Während er sucht, schaut mich der Kontrolleur an und formt mit seinen Lippen die Worte: "Der hat eh kein Ticket!" Irgendwann sagt er es auch: "Du hast doch eh kein Ticket, gibs doch zu, brauchst nicht so rumkramen. Dann fragt er nur noch, wohin der Mann so fährt, aha, bis nach Rapallo (sind noch ca. 10 Minuten bis dahin) und setzt sich dann zu mir. Und fängt an zu reden. Viel und lange. Was für Ausreden er schon alles gehört habe, der Onkel sei tot, die Automaten kaputt etc. Irgendwann hält er mir seinen Ticketlocher und ein kleines Büchlein unter die Nase und sagt: "Hier, mach ma meinen Job, du wirst sehen, es macht Spaß!" Und nachdem ich dann auch brav noch erklärt habe, wo ich herkomme, wer ich bin und was ich hier mache, darf ich dann auch endlich in Rapallo aussteigen.

Sonntag, 31.10.2010
Rapallo, Bahnhof. Ich warte auf meinen Zug Richtung Genua und aus Langeweile studiere ich die Karte, die die Abfahrtszeiten angibt. Neben so Hinweisen und Zeichen, wie sie auch bei uns neben den Zugnummern zu finden sind, wie z.B. dass der Zug nur Wochentags fährt oder nur am Wochenende, entdecke ich ein großes G neben manchen Zügen. Unten in der Legende steht: Dieser Zug wird im Falle eines Streikes garantiert! Etwaige Verspätungen werden nicht berücksichtigt.

Donnerstag, 28.10.2010
Ich stehe an der Einfahrt des Turnhallenparkplatzes, wo Dani Basketballtraining hat. Ein Typ versucht mit einem viel zu großen Auto aus dem viel zu kleinen Parkplatz herauszukommen, muss rückwärts heraus und sieht dann das Schild auf der Straße: Ein weißer Pfeil in einem blauen Schild, der ihm sagt, dass er nur nach rechts darf. Für ihn wäre links aber besser, weil das Auto schon in dieser Richtung steht. Also kurbelt er das Fenster hinunter und fragt mich: „Hey, sag mal, ist das eine Einbahnstraße da runter?“ Ich, ohne überhaupt darüber nachzudenken, antworte ihm: „Joa, aber trotzdem fahren da alle runter.“ Er freut sich, tritt aufs Gas und rollt den Berg hinab, entgegen den Anweisungen des Schildes, so wie ich es auch ständig tue...
So italienisch bin ich schon geworden!

Dienstag, 19.10.2010
Ich sitz im Zug, auf dem Weg zur Schule. Vor mir sitzen zwei Männer, es ist ziemlich eng für die sechs Beine, da der Zug etwas älter ist, und somit nicht auf aktuelle Körpergrößen eingestellt. Irgendwann steht einer der beiden auf, um sich woanders hinzusetzen, da dort ein Platz frei geworden ist. Der Mann vor mir, der bis jetzt versucht hat, zu schlafen, setzt sich auf den Platz neben sich und sagt dabei zu mir „Ich setz mich lieber hier hin, auch wenn ich klein bin, aber so ist besser“ Ich lächele nur höflich zurück. Dann mustert er mich und fragt, beim Blick auf meine Tasche: „Zur Schule?“ Und versucht den Typ Schule zu erraten. Ich muss ihm erklären, dass ich auf eine Schule für Ausländer gehe und dass ich Deutsche bin. Dann redet auf mich ein und ich verstehe nur „Deutschland“, „Eisdiele“ und „arbeiten“, da es ziemlich laut im Zug ist und er leise spricht. Irgendwann gibt er mir die Hand und sagt: „Ich heiße übrigens Roberto!“ Ich antworte mit meinem Namen, wir lächeln uns noch kurz an und dann sagt keiner mehr ein Wort. Ich starre wieder aus dem Fenster, wie ich es immer tue und als ich ihn das nächste Mal angucke, ist er im Sitzen mit dem Kopf auf seinem Schoß eingeschlafen...

Samstag, 16.10.2010
Wir sitzen im Restaurant und möchten unsere Pizza bezahlen. Die Stimmung ist hektisch, alle Tische sind besetzt, die Kellner laufen gescheucht durch die Gegend. Wir sagen einem jungen Kellner Bescheid, der dreht die Karte auf unserem Tisch um, um die Tischnummer zu lesen und ruft aus: „69! Hey, ihr könnt euch glücklich fühlen, Mädels, 69 ist eine Gückszahl!“ und läuft lachend weg. Wir haben uns nur gefragt, ob er bei 69 an das Gleiche gedacht hat, wie wir...

Samstag, 02.10.2010
Ich sitz im IC von Pisa nach Rapallo. Der Ticketkontrolleur kommt vorbei und locht bedächtig unsere Tickets. Dann klingelt sein Handy in seiner Hosentasche, der geht ran und fängt ein offensichtlich nicht berufliches Gespräch an, während er weiter versucht, die Tickets mit einer Hand zu stempeln. Dabei legt er immer zwei auf einmal auf die kleinen Tische zwischen den Vierersitzen und versucht sie so mit seinem Locher zu erreichen, diese rutschen aber weg und er rutscht mit der Hand hinterher, bis ihm ein Fahrgast behilflich ist, die Tickets festzuhalten. Dann geht er munter weiter telefonierend zu den nächsten Leuten.

Mittwoch, 29.09.2010
An Federicos Schule wurde jetzt ein neues System eingeführt, dass die Kontrolle der Anwesenheit aller Schüler vereinfacht: Jeder Schüler hat eine Karte erhalten, die mit einem Strichcode versehen ist. Jeden Morgen, wenn die Schüler die Schule betreten, müssen sie die Karte durch ein entsprechendes Lesegerät ziehen, das dann die Anwesenheit registriert. Eltern haben einen Brief erhalten, die eine Nummer und ein Passwort erhalten. Mit diesen Daten können sie auf der Homepage der Schule einsehen, an welchem Tag um welche Uhrzeit ihr Kind die Schule betreten hat, oder eben auch nicht betreten hat. Es gibt auch die Option, sich diese Daten per SMS zuschicken zu lassen.
Herr Mesenholl hätte sich sicher gefreut über solche Möglichkeiten!


Dienstag, 21.09.2010
Ich sitz im Zug auf dem Weg nach Genua und lese die Süddeutsche Zeitung. Mir gegenüber sitzt ein etwas gedrungener Italiener im Anzug und Aktenkoffer und seine 19-Jährige Tochter, die eine Zeitschrift in der Hand hält. Irgendwann schaut sie ihn an und fragt: "Wie ist es in Düsseldorf?" (oder wie man generell im Ausland sagt: Dusseldorf) Ich glotze die beiden an und der Mann glotzt zurück, fragt sich, warum ich so blöd gucke. Bis ich endlich die Worte finde und nur sage: Ich komme aus Düsseldorf!
Daraufhin hat sich ein schönes Gespräch und eine Facebookeinladung mehr entwickelt, aber Zufälle gibts...
(Nachtrag Do., 23.09.2010: Nachdem ich mit Laura über den Vorfall gesprochen habe, kam sie gestern nach Hause und erzählte mir, sie hätte eine alte Kollegin von vor 14 Jahren getroffen (Laura ist Lehrerin an einer Grundschule). Die beiden haben sich über alte Schüler unterhalten und es kann sein, dass das Mädchen, welches ich im Zug getroffen habe, eine alte Schülerin und Nichte einer Bekannten von Laura ist. Wir haben einige Randinfos vergleichen und sind uns ziemlich sicher. Jetzt warten wir beide nur noch darauf, dass sie mich auf Facebook addet, damit wir ihren kompletten Namen sehen können und so volle Sicherheit erlangen. Die Welt ist zu klein!!!)

Montag, 20.09.2010
Letzte Woche sah ich in Genua einen Mann, der ein schwarzes T-shirt mit der deutschen Aufschrift "Sind Engel Geflügel?" trug.

Samstag, 18.09.2010
An dem Tag, als ich in Sestri Levante war, regnete es bereits den ganzen Vormittag. Auch am Tag davor hat es geregnet. Ab und zu erlaubten sich die Wolken eine Pause und man erlebte ein, zwei Stunden, in denen es ruhig blieb. Dementsprechend nass war auch der Badestrand von Sestri L. Das hat ein Ehepaar mittleren Alters allerdings nicht davon abgehalten, trotzdem ein Bad im Meer zu nehmen, es war ja einigermaßen warm. Sie zogen sich also aus, ließen Schuhe und Klamotten an einem kleinen Zaun hängen und schnorchelten davon. Ich setzte mich ein Stück entfernt auf ein Boot und schaute mir an, was sie zurückgelassen hatten. Da war nämlich außer den Dingen, die sie am Leib trugen und ihren Taschen auch ein Regenschirm. Das hab ich auch noch nicht gesehen: im Meer schnorcheln aber danach auf alle Fälle vorbereitet sein und seinen Kopf vor dem Regen schützen wollen.

Mittwoch, 15.09.2010
Heute hab ich im Wartezimmer der Logopädin einen IKEA-Katalog gefunden und blätterte ihn durch. Als Rita (besagte „psicopedagogista“) mich sah, fragte mir ob es mir gefalle und ob ich IKEA denn kennen würde? „Gibt es die auch in Deutschland?“ Ich musste laut lachen: Habe ich doch vor meiner Abreise gelesen, dass sich IKEA Anfang der 90'er Jahre nach einem gescheiterten Versuch Möbelhäuser in Italien zu bauen, zurückziehen musste, da die elitären Edelmöbelfirmen Sturm gelaufen sind gegen den preiswerteren Konkurrenten. Erst gegen 2000 schaffte es IKEA in diesem Land Fuß zu fassen...zur selben Zeit als ich mein Herz bereits ans Småland verloren hatte.

Samstag, 11.09.2010
Italiener sind ja für ihr fehlendes Gefühl zur Körperdistanz bekannt. Auch ich lehne mich oft genug ein Stück zurück wenn Laura mir etwas erzählen will. Aber lustig finde ich, dass selbst die Moderatoren in Unterhaltungssendungen im Fernsehen, so nah vor die Kamera treten, als wollen sie dich im Wohnzimmer küssen. Man sieht nur ein Gesicht und nicht mehr das Studio dahinter.



Donnerstag, 09.09.2010
Hier zu Hause haben wir Disney Channel und Nikelodeon. Sobald die Jungs morgens die Augen öffnen, gehen sie ins Wohnzimmer und schauen Fernsehen. Da ich mich um die selbe Uhrzeit herum immer in der Küche aufhalte, kann ich hören, was sie schauen, da die Küche mit dem Wohnzimmer verbunden ist. Meistens läuft Spongebob. Ach was sag ich, immer. (Ich hab Spongebob schon in Deutschland nicht ausstehen können, aber auf Italienisch ist es...schlimm) Das Problem ist, dass die Jungs nicht gleichzeitig aufstehen. Rekonstruieren wir einen Morgen: Daniele und ich stehen auf, ich mache ihm sein Frühstück, es läuft eine Folge Spongebob. Dann ist die Folge irgendwann vorbei, Daniele geht woanders hin, ich spüle die Reste weg und Räume die Spülmaschine aus. Fast eine Stunde vergeht. Dann steht Federico auf, schaltet auf Disney Channel/Nikelodeon +1 und schaut, richtig, Spongebob. Das Problem bei +1 ist, dass im Prinzip das selbe Programm läuft wie auf dem Muttersender, nur um eine Stunde verschoben. Das heißt, ich darf mir an einem Morgen zweimal die selbe Folge anhören, teilweise auch angucken. Und wenn diese vorbei ist, läuft auf dem Konkurrenzsender (Disney Channel contra Nikelodeon) dann die nächste. Es ist zum kotzen.

Sonntag, 05.09.2010
Deutschland ist das "Licht Europas"?? Mamma mia, was müssen die Italiener unzufrieden mit ihrer Politik sein...

Samstag, 04.09.2010
Daniele und ich sollen in den Park, zum Fußballspielen. Zu Hause nimmt er sich eine Packung Taschentücher und zeigt sie seiner Mutter. Diese nickt.
Unterwegs erzählt er mir, wie es im Park aussieht und erwähnt mehrere Male, es gäbe dort ein "bagno" (dt.: Badezimmer, Toilette). Kaum stehen wir mit beiden Beinen auf dem Territorium des Parks, zeigt er auf ein Gebäude, das aussieht wie ein Schloß und sagt: Da drin ist das "bagno", es sieht ein wenig dreckig von außen aus, aber drinnen ist es nicht so schlimm.
So gehen wir also geradewegs auf das Schlösschen zu, Daniele verschwindet hinter einer Tür und schickt mich noch an, bitte aufzupassen, die Tür könne man nicht abschließen.
Nach ca 5 Minuten kommt er heraus, bittet mich, die geöffnete und etwas leichtere Taschentuchpackung in meiner Tasche zu verstauen und führt mich zum Platz, wo man Fußball spielen kann.
Wir sind doch geradewegs von zu Hause gekommen??