Langsam beginnt hier eine neue Phase. Nachdem wir uns jetzt drei Wochen eingehend „beschnuppert“ haben, beginnt nun die Phase des Standpunkteaustausches. Laura ist der Meinung, in der Schule und beim Training muss man keine Wasserflaschen mit sich herumtragen, wie verwöhnte Prinzessinnen, sondern kann bei Durst ins Bad gehen und dort aus dem Wasserhahn trinken. Ich war verwundert. Hab ich mich sowieso schon gefragt, warum in Danis Rucksack zum Training nie etwas zum Trinken war. Jetzt bin ich aufgeklärt. Natürlich hab ich ihr klargemacht, dass ich auch in Danis Alter beim Training immer etwas zu trinken dabei hatte und wir sogar eigens Pausen für diese lebensnotwendige Tätigkeit eingerichtet hatten. Aber wie das so ist in einem fremden Haushalt, man passt sich halt an. Hier zu Hause zum Essen gibt es ganz normales Wasser aus dem Supermarkt und das ist doch das Wichtigste für mich. Ich fand auch gewöhnungsbedürftig, dass Laura und Fabio nie die Haut eines Pfirsichs essen, weil sie den „Pelz“ nicht mögen. Dabei beißen sie nicht herzhaft in die Frucht (so wie ich), sondern schneiden sich peu a peu Stücke mit einem Messer ab, die sie dann essen. Die Jungs bekommen ihren Pfirsich sogar geschält und geschnitten in einem Glas mit ein wenig Zucker serviert. Man merkt, Pfirsiche spielen eine große Rolle in meinen Gedanken.
Ich finde das alles wirklich interessant, weil auch eigene Gewohnheiten und Ansichten, die man bisher als selbstverständlich ansah, plötzlich in einem anderen Licht erscheinen. Ich weiß, dass das normal ist, wenn man im Ausland ist, aber es ist wirklich etwas anderes es am eigenen Leib zu erfahren, wie man immer mehr mit seinen Einstellungen konfrontiert wird und die Frage im Raum steht, ob man alte Gewohnheiten weiterverfolgt oder die Neuen annimmt. Oder sich einen ganz anderen Weg aussucht. Sowas fängt mit Pfirsichen an und wird fortgeführt bis zum Heiraten und Kinderkriegen. Mal ganz krass ausgedrückt.
Während all dieser Gedanken läuft Spongebob munter durchs Fernsehbild und verbreitet sinnlose Unwahrheiten. Was echt noch lustig ist, Hotel Zack and Cody. Dani hat sich ziemlich gewundert und hat mich mit großen Augen angeguckt, als er aus seinem Zimmer kam und mich im Wohnzimmer bügelnd vorgefunden hat. Nicht das Bügeln hat ihn so aus der Ruhe gebracht, sondern die Tatsache, dass im Fernseher, den er ja als Quelle von Cartoons, Fußball und höchstens noch Nachrichten kennt, ZDF lief und alle eine komische Sprache sprachen, die er nicht verstand. Sowas kann einen wirklich aus dem Konzept bringen.
Uffa, wie spannend meine Einträge doch wieder sind. Aber außer dem Schulweg, dem Babysitten, der Hausarbeit und meinen gelegentlichen Unternehmungen „da sola“ (allein) passiert momentan nicht ganz so viel. Ich möchte, dass mein Sprachkurs doch bitte endlich anfängt, aber Eleonora hat sich noch nicht bei mir gemeldet. Armes Ich.
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