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Mittwoch, 29. September 2010

Insalata mista

Gemischte Gefühle begleiten mich seit einigen Tagen. Ich hatte die Idee, hier in Italien meinen Motorradführerschein zu machen, weil ich a) Zeit, b) Geld, c) Lust habe, aber daraus wird nichts („Zum Glück“, sagt meine Mutter jetzt bestimmt). Da ich in keiner Behörde gemeldet bin und meinen offiziellen Wohnsitz in Deutschland habe, zudem kein einziges italienisches Dokument besitze, wie z.B. eine zweite Staatsangehörigkeit, kann ich mich nicht in der Fahrschule anmelden, da ich sonst nirgendwo gemeldet bin. Kurz: Ich bin zu deutsch. Eine Sache, die mich heute wirklich aus dem Konzept gebracht hat, da ich mir das ganze Wochenende Hoffnungen machte. Die andere Sache ist die, dass immer noch niemand für meinen Sprachkurs gefunden worden ist, der den Kurs 4. Niveau mit mir machen könnte. Da wird man auch noch dafür bestraft, dass man die Sprache bereits spricht, während die Anfängerkurse vor Überfüllung trotzen. Jetzt hat Eleonora, die Lehrerin, mir das Angebot gemacht, vorübergehend umsonst beim Kurs des 3. Niveau beizusitzen, bis mein Kurs endlich anfängt. Lediglich die Kosten für das neue Buch müsste ich übernehmen. Das Angebot nehme ich nur zu gerne an, dann habe ich vormittags was vernünftiges zu tun und kann Dinge wiederholen, die noch nicht 100% sitzen, wie den congiuntivo.
Meine Affinität für diesen Ort, dieses Land, wächst von Tag zu Tag und ich fange an, mich wirklich wohl zu fühlen, mehr als „Oh ich bin jetzt hier, hier ist es schön, ich fühle mich wohl“. Wirklich wohl. Jetzt habe ich mir nur leider die Fotos von Jana und Melina aus Vietnam angeschaut und überhaupt erstmal realisiert, wie weit meine zwei ältesten und besten Freundinnen eigentlich sind und wie lange ich sie nicht mehr zu Gesicht bekommen werde. Nach neun Jahren innigster Freundschaft ist das jetzt doch ein harter Schlag. Weg von zu Hause zu sein ist eine Sache, aber sich manchmal so einsam fühlen eine andere. Noch ein Grund, warum ich mich auf die Schule freue. Unter Leute meines Alters kommen und endlich wieder diese...Situation zu spüren. Dieses Schulische. Das klingt bekloppt, sollte man nach seinem Abitur doch glücklich sein, es endlich geschafft zu haben, aber ich gehe da gerne hin. Auch um wieder richtig Regeln zu üben, ich habe das Gefühl, mein Italienisch verwildert ein wenig, ich habe das Gefühl, es entwickelt sich zu einem Haus- und Dorfdialekt, aber vielleicht stimmt das auch alles nicht. Donnerstag gehe ich also wieder in die Schule nach Genua.

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