Es wird Zeit, eine Art Abschlussbericht zu verfassen, ein Fazit sozusagen. Ich bin nun schon seit mehr als drei Wochen wieder daheim (mittlerweile sogar wieder in Spanien und gar nicht mehr in Deutschland) und kann nur sagen, nach den letzten Wochen ist es mir verdammt schwer gefallen, Genua zu verlassen. Nicht Rapallo. Nicht meine Gastfamilie. Aber mein Leben in Genua, meine „Familie“ dort und mein zu Hause. In den allerletzten Wochen saßen Paula, Oscar und ich so eng aufeinander, dass man mehr Wochenende miteinander gar nicht mehr verbringen konnte. Ich musste mich nicht mehr entscheiden, wohin ich zum Schlafen ging, ich ging einfach zu Oscar und Paula kam gegen Ende oft sogar mit. So haben wir Tage und Nächte verbracht und uns sehr verbunden gefühlt. Wenn ich über meine Abfahrt gemaunzt habe, war ich immer „selber schuld“, da ich mich ja dazu entschieden hätte, nach Hause zu fahren, aber ich konnte doch auch nicht einfach so in Italien bleiben. Es gab keine Zweifel und keine Unwissenheit mehr, was man wohl wo den Nächsten Tag unternehmen muss, wir blieben zusammen und wenn uns nicht nach rausgehen war, konnte man auch zu Hause bleiben. Wenn ich irgendwann im Winter darüber geschrieben hatte, dass Aupairs kein wirkliches zu Hause haben, so habe ich es durch Oscars Gastfreundschaft gefunden. Ich hätte mich an keinem Ort in diesem Land mehr zu Hause fühlen können, mehr akzeptierter, mehr gewollter. In Rapallo hatte ich das nicht, in Rapallo versuchte ich immer, so wenig Spuren meiner selbst zu hinterlassen (ich habe sogar meine Zahnbürste und alles, was ich besaß in meinem Zimmer gehalten und es nicht im Bad hinterlassen) teilweise aus scheuer Zurückhaltung, teilweise aus Ekel. Meine Gastfamilie war von der Art, wie sie mich behandelte, die Beste, die ich kennengelernt oder von der ich gehört hatte, jedoch haben sie mir nicht meine eigene ersetzt, wie man am Anfang oft erwartet. Ich habe meine Gastkinder nicht als kleine Brüder und meine Gastmutter nicht als beste Freundin gesehen. Ich habe mich einigermaßen gut integriert und besonders mit Dani lief es auch in den letzten Wochen auch doch ziemlich gut. Er hatte sich genau eine Woche vor meiner Abfahrt den Fußknöchel gebrochen und lief mit Gipsbeinen und Krücken herum, so haben wir nach der Schule immer, anstatt wie gewohnt draußen zu bleiben, Playstationrekorde neu geschrieben. Es war auch alles wirklich lustig und wirklich schön, aber ich kann besonders jetzt zum Abschluss sagen, es war kein „Beruf“ für mich. Es gibt Frauen, die sind geborene Mütter und es gibt Mädels, die sind geborene Aupair, ich bin's nicht, das wussten wir auch alle und ich bin doch positiv überrascht, wie heil ich die Sache überstanden habe, aber ich trauer dem Ganzen nicht wirklich nach.
Jedoch kann ich nicht sagen, dass ich unglücklich darüber bin, mich für diese neun Monate entschieden zu haben. Ich habe eine Unmenge interessanter Menschen kennengelernt, ich bin mit meiner Verantwortung gewachsen und ich habe meine Sprachkenntnisse in zufriedenstellender Weise potenziert. Ich habe in Genua eine Art Optionsheimat gefunden, für zukünftige Besuche und für den Fall, dass mein Leben in Deutschland nicht funktionieren sollte und ich den Wunsch entwickle, auszuwandern. Das aber in einer sehr entfernten Fantasie. Am 9. Juni habe ich mich einer CILS Prüfung in dem Niveau C1 unterzogen, dessen Ergebnisse mich gegen September erreichen werden. Ich habe es endgültig akzeptiert, dass in mir anscheinend doch ein Teil meiner Seele italienisch ist und ich mich in dieser Sprache eigentlich sogar viel sicherer bewege, als in der Sprache meiner Eltern, polnisch, die ich eigentlich besser beherrschen sollte, als ich es tue.
Vor allem aber habe ich, unter allen Freunden und Bekannten, die ich hatte, zwei ganz besondere Menschen kennengelernt, ohne die die letzten Monate nicht möglich gewesen wären, ohne die meine Wochen keine Struktur gehabt hätten und ich kaum etwas gehabt hätte, auf das ich mich hätte freuen können.
Also mein Fazit: Romy ist glücklich darüber, dass sie diese Erfahrung machen durfte, aber sie ist auch zum größten Teil glücklich darüber, wieder zu Hause zu sein um ihr Leben auch wieder ihr eigen nennen zu dürfen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen