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Mittwoch, 30. März 2011

Noch mehr Gefühle

Beim Durchlesen einiger Blogeinträge, die ich im September geschrieben habe, ist mir aufgefallen, dass ich in diesem Monat viele Dinge erlebt habe, die sich in meiner Empfindung noch wie gestern erlebt anfühlen. Die Zeit, wie sie hier vergeht, ist eine andere, eine komische und ich nehme Laura nicht übel, wenn sie mir nach fünf Monaten sagt: "Mir scheint, als seist du gerade erst angekommen!" In der Tat fühle auch ich mich auf eine komische Art noch "neu" in dieser Familie, in diesem Land, obwohl ich bereits fast sieben Monate hier bin. Auf der einen Seite ist es, als hätte ich nie in meinem Leben etwas anderes gemacht (und als würde ich in einer Endlosschleife auch nie mehr etwas anderes tun), andererseits ergreifen mich manchmal Erinnerungen, aus meinem "anderen", vorherigen Leben mit solch einer Gewalt, dass ich mich benommen umsehe, und mich frage, wo ich eigentlich bin. Oft denke ich bei alltäglichen Dingen darüber nach, wie sehr mich am Anfang Dinge angefremdet haben, oder wie lästig ich etwas empfunden habe, die ich heute ohne Zögern, routiniert und mit sogar ein wenig Freude erledige. Meine Einträge vom Anfang kommen mir nun so naiv, so kindlich vor, doch genauso werde ich diesen Eintrag wahrscheinlich in einem halben Jahr naiv finden, das ist das Problem, es beherrschen einen in so einer Zeit zu viele Eindrücke, Meinungen und Gefühle, um irgendwas davon auf Dauer beizubehalten und mit einem gewissen Gefühl von Bitterkeit schaue ich auf das kleine dumme Mädchen zurück, die im September ihre Hoffnungen beschrieb, und uns was von "wohlfühlen" erzählen wollte. Für alle, die zu Hause geblieben sind, ist es schwer zu erklären, jeder Tag ist ein schmaler Grat zwischen Routine/Alltag, Schmerz, Freude, Sehnsucht, Erinnerungen, Zukunftsperspektiven, Spaß. Man fühlt sich nicht wirklich Fehl am Platze, aber auch nicht wirklich zugehörig, man erträgt es nie so gar nicht, dass man sofort nach Hause fahren möchte, aber es ist auch nie so schön, als dass man darauf verzichten könnte. Man lebt tapfer Tag für Tag weiter und irgendwann stellt man fest, dass die ein oder andere Erinnerung schon sechs Monate alt ist. Oder eine andere zwei Jahre. Und man blickt auf sich selbst zurück und erkennt sich selbst kaum wieder. Zeit ist ein komisches Maß und meine Aupair-Zeit eine Phase in meinem Leben, in der ich einfach viel zu viel über mich selbst nachdenke.

Che ne sarà di noi?

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