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Willkommen! Dies ist Romys Blog über ihre Erlebnisse in Rapallo und Umgebung. Ich freue mich, dass du hierher gefunden hast.
Mittwoch, 30. März 2011
Gefühle
geschrieben von
Romy
um
21:10
Zwischen all den Gefühlen, die mich tagtäglich begleiten und die das komplette Spektrum der von Menschen empfundenen Gefühle widerspiegeln, gehört ziemlich oft auch Ärger und Wut dazu. Ich rede mich viel auf, hauptsächlich über Italiener, genauergesagt, Genovesen. Italien wäre ein so viel schöneres Land, würde nicht sein Volk darauf leben, aber gäbe es dieses Volk nicht, so wäre es nicht Italien, ich weiß. Das Erlebnis, was mich dazu veranlässt, etwas über dieses Thema loszuwerden, war eine Gegebenheit am letzten Sonntag: Paula, Eva und ich sind ins Kino gegangen und wollten uns gerade auf unsere Plätze vor einem kuschelnden Ehepaar setzen. Als Eva ihren Sitz herunterklappen wollte, quetschte sie dabei kurz den Fuß des Mannes ein, der ihn dort in die Ritze gesteckt hatte. Sie entschuldigte sich erschrocken bei ihm und er antwortete: „It's okay.“ Sie hat sich schon auf italienisch entschuldigt, so ist das nicht und klar haben wir vorher lautstark alle auf deutsch miteinander geredet, aber was glaubt der gute Herr, was wir da im Kino machen? Bunte Bilder angucken? Zudem war es auch wirklich ein italienischer Film, keine Übersetzung aus Hollywood. Das war nicht das erste Mal, dass uns Menschen einfach als dermaßen ausländisch abstempeln, dass es wehtut. An jeder Ecke wirst du von Menschen, mit denen zu dich länger als drei Sätze lang unterhälst, gefragt: Aaaah, aber wo kommst du denn her, du bist keine Italienerin? Menschen auf der Straße drehen sich nach uns um und gucken uns eselsgleich an, wenn sie hören, dass wir deutsch/polnisch miteinander reden und kommen aus dem Glotzen nicht heraus. Sogar so ein blöder Dönerverkäufer (der selber aus der Türkei stammte) fragte uns, wo wir herseien. Danke für den kläglichen Versuch, Konversation zu machen, aber was geht es euch an? Genua ist eine Stadt mit so vielen Ausländern, so viele wie in kaum einer anderen Stadt Italiens, eine Jahrhunderte lange Handelstradition mit den verschiedensten Nationen und Kulturen, einem riesigen Hafen und trotzdem gewöhnt sich kein Mensch daran, dass auf der Straße andere Sprachen gesprochen werden? Ich frag doch auch nicht jede zweite Kassiererin in Deutschland, aah sie, wo kommen sie eigentlich her, ich höre, sie haben einen Akzent, sie sprechen nicht wie eine Deutsche deutsch. Genauso spreche ich italienisch, ziemlich flüssig, aber nun mal mit Akzent, aber das ist doch normal, warum hängen diese Leute sich da so dran auf? Sie sollten sich mal ihrer eigenen Unfähigkeit, andere Sprachen zu erlernen, zuwenden, als auf unserem Akzent herumzureiten. Ich will nicht sagen, dass ich mich in meiner Fähigkeit gekränkt fühle, natürlich stocke ich noch und ich benutze vielleicht komische Umschreibungen und rede auf jeden Fall noch nicht wie ein Italiener, aber das tun die Italiener in Deutschland auch nicht, reden wie die Deutschen und keiner glotzt sie dafür auf der Straße an. Und nach der Frage meiner Herkunft kommt auch immer wieder die gleiche Frage, egal ob die Person mit grade 5 Sekunden oder ne halbe Stunde kennt: Was machst du hier? Abgesehen davon, dass ich mich das manchmal selber frage, ist es so ungewöhnlich für ein junges Mädchen mal ein bischen Zeit im Ausland verbringen zu wollen? Ein Ägypter, der mich einmal im Zug angesprochen hat (er hat mich im Nachhinein darauf hingewiesen, was für schöne Haare ich doch hätte und ob ich die nicht aus dem Haargummi lösen könnte, warum sie denn so fest zugebunden seien. Daraufhin habe ich fluchtartig den Zug verlassen), wäre fast in Tränen ausgebrochen weil er nicht verstanden hat, wie man als Deutscher nach Italien gehen könnte, er würde alles dafür tun, nach Deutschland zu kommen. Nunja, der dachte auch, ich bleib für immer hier...Auf jeden Fall macht mich diese Art, uns nicht für voll zu nehmen, ziemlich fertig. Noch ein Grund sich darauf zu freuen, bald wieder in leicht geschwächten aber reinstem Deutsch durch deutsche Straßen zu laufen und sich wieder als Teil des Ganzen zu fühlen und nicht als Eindringling in einem Geflecht aus Arroganz, Nationalismus, Stolz und Fremdenfeindlichkeit.
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