Dieses Wochenende war mal wirklich gelungen. Von vorne bis hinten. Von Anfang bis Ende. Wow. Ich habe richtig Spaß gehabt. Mittwoch, der 8. Dezember, war Feiertag in Italien, deswegen waren alle zu Hause und ich hatte frei und habe meine Genua-Kenntnisse in den Altstadtgassen etwas vertieft und meine Weihnachtsgeschenke gekauft. Den Sonntag davor war ich mit Paula auf einem kleinen Nikolausmarkt und habe einen Esel gestreichelt. Der war so weich. So schön. Jedenfalls, als ich am Mittwoch dann aus Genua zurückkam, haben wir den Weihnachtsbaum geschmückt, macht man halt so in Italien, am 8. Dezember. Der Baum ist zwar nicht echt, sieht aber für nen Plastikbaum doch ziemlich gut aus. Aber nichts geht natürlich über echte Nadeln. Am Donnerstag dann haben Laura, Federico, Dani und ich zusammen „Mensch, ärger dich nicht gespielt“ und uns sogar richtig amüsiert! Gewonnen hat Laura, dann Chicco, dann ich und dann Dani. Achja, Dani war nämlich krank und war den ganzen Donnerstag dann mit mir zu Hause, wir haben uns aber schon amüsiert. Habe jetzt meine Vorliebe für die Wii entdeckt und spiele immer fleißig Tennis gegen Dani oder schlage ihn im Skispringen (141 Meter gegen 136). Freitag war ich dann zum Konversationskurs in der Schule und habe meinen Abschlusstest des Kurses geschrieben. Wie der ausgefallen ist, erfahre ich erst nächsten Freitag. Während unseres Kurses haben wir über die Weihnachtsfeier am Sonntag gesprochen und Pilar, eine Spanierin aus Katharinas Kurs, hat erzählt, sie bringt einen Freund von sich mit, extra für uns Mädels, er hieße Oscar, 25 Jahre alt, Ingenieur, wohnt in einem großen Appartement hier in Genua und spräche spanisch (er ist Spanier), italienisch, englisch und sogar ein bischen deutsch. Zudem könne er kochen und sei ein gut erzogener junger Mann, gutaussehend blabla. Da waren wir aber gespannt! Bei dieser Unterhaltung hat sich herausgestellt, dass wir alle, die da im Raum saßen, Single sind und somit alle potenzielle Oscar-Freundinnen werden können, es ging zu wie auf der Vermittlungsbörse am Freitag.
Freitagabend hab ich mich erstmal mit Katharina verabredet, wir waren mal ganz entspannt ein Eis essen und viiiiel spazieren. Ganz ruhig und entspannt. Zwischendurch war Anna bei uns, sie ging aber bissel früher nach Hause. Samstag früh hab ich meine Wii-Rekorde verbessert und Dani gut unterhalten, ich weiß absolut nicht, was er so witzig daran findet, wenn er mich da spielen sieht. War aber richtig schön, wir verstehen uns langsam immer besser und werden langsam warm miteinander. Ich verwandle mich langsam von Aupair Nr. 10 namens Romina zum Menschen Romina. Manchmal werde ich sogar Romi von Laura, Dani oder Chicco genannt. Das gefällt mir. Samstagnachmittag war ich dann mit Paula unsere Sachen für den Apfelkuchen und den russischen Kartoffelsalat für Sonntag einkaufen und danach sind wir mit Mélanie nach Santa Margherita gefahren, was auch ein gelungener Nachmittag wurde. Wir haben uns richtig amüsiert, haben die Eisfläche am Hafen bewundert, auf der man Eislaufen kann, die Weihnachtsmusik, die durch die Lautsprecher an den Häuserwänden klang, mitgesungen und uns eingehend mit dem Weihnachtsmann und seinem Gnom unterhalten, während wir Zuckerwatte und Popcorn geschenkt bekamen. Am Abend waren Laura und Fabio dann aus, was für mich hieß, weitere Wii-Partien zu spielen und den kleinen jungen Mann am Lachen zu halten, was mir gut gelungen ist. Sonntag gings dann weiter, wieder einmal nach Genua, Kuchen backen und Kartoffelsalat machen bei Paula zu Hause. Anna war bei uns und half ein bisschen mit. Alles verlief ein wenig chaotisch, so dass wir dann anstatt um 17h um 18:30h an der Schule ankamen, aber hey, war ja ne Party. Es gab haufenweise zu Essen und so viele Leute zu unterhalten. Und dann kam er, der Angekündigte, der Herausragende, Oscar! Ja, also wir waren alle ein wenig...enttäuscht. So gut, wie angekündigt, sah er jetzt auch nicht aus, aber nett war er, ja. Und gut erzogen. Und intelligent. Ein wirklich netter Mann, der sich wirklich eingehend für mein Leben interessiert hat. Nur für meins. Paula ist dann kurz weggegangen, nachdem er ihr den Rücken zugewendet hat, um sich von mir erklären zu lassen, wo genau jetzt Rapallo liegt. Und, wie mir Viktor (der Spanier aus Katharinas Sprachkurs, den ich jetzt auch endlich mal bischen besser kennengelernt hat) wärmstens und mit einem Augenzwinkern erzählt hat, wohnt Oscar in einer 110 metros cuadratos (Ja, wir verstehen dich, mein Freund) großen Wohnung im Zentrum von Genua, die seine Firma bezahlt. Jetzt habe ich auf jeden Fall eine Handynummer mehr in meinem Telefon und die Aussicht, bald ein gutes spanisches Bier mit den anderen Mädels und Viktor und vermutlich noch ganz vielen anderen Spaniern und der Ingenieurswohnung in Genua trinken zu gehen. Am Ende, als nur noch ein paar Leute da waren, haben Paula und ich unsere musikalischen und linguistischen Kenntnisse dieses Landes weit herausgetragen und ein „cantas muy bien en español“ geerntet. Nach der Feier hab ich bei Paula geschlafen, in dem alten Schlafzimmer der Verstorbenen in dessen Appartement Paula ja wohnt, und sogar im Bett der Alten. Mir ist aber nichts passiert, mich hat nachts kein Geist besucht, und vom ganzen Rotwein, den Riccardo, der Portugiese, uns die ganze Zeit ausgeschenkt hat, war mir das eh irgendwie egal. Unter den Augen von Padre Pio, dessen Bild über dem Bett hing, hätte mir eh nichts Großartiges passieren können, der ist nämlich der Schutzheilige Nr. 1 für alle Italiener. Ach, unser Salat und unser Apfelkuchen hat wirklich jedem geschmeckt. Aber es hat so Spaß gemacht, den ganzen Spaniern beim Sprechen zuzuhören, weil sie ganz genau wissen, dass wir sie verstehen, auch wenn jedes dritte Wort spanisch ist und wer mich kennt, weiß, dass ich dann wirklich an den Lippen von diesen Leuten hänge. Dann kommen dann halt so Sätze raus wie "lui abita in un appartamento con cien diez metros cuadratos". Paradies für meine Ohren.
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