Sooo...Ich glaube die Zusammenfassung meines letzten Wochenendes steht langsam mal an...Momentan spiele ich irgendwie lieber Spider Solitär oder Mahjong, weil man da so herzlich wenig an andere Dinge als Karten oder Spielsteine denkt, vor allem nachdem meine Lehrerin Sara mir verboten hat, dieses Nummernspiel zu machen, was Anna uns in der Oberstufe beigebracht hat, wo man die Ziffern durchstreichen muss. Sie meint, ich würde zu viele intelligente Dinge tun...Okay.
Also mein Wochenende war großartig, was mir nach meinem Geburtstag nur noch wie ein süßer Traum vorkommt. Am Freitag Abend bin ich (nachdem ich den halben Tag nur Auto gefahren bin weil die Herren Söhne von der Schule abgeholt werden mussten, zum Zahnarzt gebracht und abgeholt werden mussten etc) mal zu Eva nach Hause gekommen, weil ihre Gastfamilie für eine Woche weggefahren ist. Wir waren Pizza essen und Martini Soda am dunklen Strand trinken und sind für ein Eis, was wir im Endeffekt doch nicht gegessen haben, weil uns die Lust vergangen ist, mehr als eine halbe Stunde durch die Stadt gelaufen, wofür Eva mich glaub ich wirklich umbringen wollte, weil sie im Gegensatz zu mir tagsüber schon ziemlich viel gelaufen ist, da in Genua wegen eines Streiks kein Bus mehr fuhr. Am Ende war es schon zwei Uhr und wir fielen tot ins Bett (in Genua, hihi) und wunderten uns, wie wir es wohl ausgehalten hätten, wären wir in die Disco gegangen, was wir eigentlich vorhatten, die aber eh erst ab 12 aufmacht. Am nächsten Tag war ich dann gegen zwei Uhr zu Hause, hab 'nen Mittagsschlaf gemacht und bin wieder nach Genua, um mich mit Anna und Daphne und später mit Katharina zu treffen. Bei Anna und Daphne war ein neues Aupair, Paula aus Polen, an dessen Fersen ich mich sobald geheftet habe, um die Chance zu nutzen, ein wenig polnisch zu sprechen. Es ist mittlerweile wirklich anstregend, weil in meinem Kopf einfach sooo viel Italienisch ist, was im Vergleich mit Polnisch nicht unbedingt eine andere Sprache ist, in meinem Kopf harmonieren beide Sprachen hervorragend miteinander. Nur, wenn ich versuche, NUR polnisch zu sprechen, will es mir einfach nicht gelingen. Aber ich habe ja noch Zeit. An diesem Tag war ich schon gegen elf zu Hause, weil ich soooo müde war...
Am Sonntag (als es wie Sau geregnet hat, mein 3-Euro-Sonnengelber Regenschirm ist endgültig tot, ihm ist ein Arm abgefallen) bin ich zu Eva nach Hause (mit Essen im Gepäck, weil ihre Gastfamilie ihr weder Essen noch extra Geld dagelassen hat. Wenn ich mir etwas zu Essen für zu Hause kaufe, bekomm ich das Geld immer wieder). Wir haben uns italienische Filme angeschaut und Sonntag Abend musste ich dann noch Babysitten, was aber nicht schlimm war, es war ein ruhiger Abend. Montag bin ich dann wieder zu Eva und wir haben schon wieder Filme geguckt. Im Filmeregal ihrer Familie habe ich König der Löwen entdeckt und Eva angewiesen, sich den anzuschauen, was sie auch brav getan hat und, wie sollte es auch anders sein, den Film gut fand. Mit 22 Jahren führe ich das arme Kind in die Welt von Disney ein.
Eigentlich wollte ich zum Abendessen zu Hause sein, aber mein Zug ist ausgefallen. Dafür habe ich dann ein schwedisches Ehepaar kurz vor dem Rentneralter kennengelernt, mit denen ich dann auf englisch im Zug über die ganzen italienischen Sachen und Schule und sowas geredet habe. Meno male! (Nicht schlecht!)
Am nächsten Tag war er dann da, der berüchtigte 0211, mein Geburtstag!!! Was als stille Hoffnung begann, wurde nachher...kein so guter Tag. Morgens im Zug lernte ich Helena, eine Frau aus Lavagna, mit ihrem 6-jährigen Sohn Marco kennen. Wir unterhielten uns viel und sie gab mir ihren Namen, um sie bei Facebook zu suchen und sie war die erste, die mir an diesem Tag zum Geburtstag gratulierte. Mir gings schon von Anfang an irgendwie nicht so gut, da ich gerade an diesem Tag meine Eltern und meine Freunde und die ganze Geburtstagstradition, die wir so abgehalten haben und einfach alles vermisste und ich war froh, dass Eva und Katharina an mich gedacht haben. Sie gratulierten mir sofort und nach dem Unterricht haben sie mir beim caffè sogar zwei kleine italienische Teilchen geschenkt. Als ich nach Hause kam, wie so nebenbei für eine Sekunde in den Arm genommen wurde (nachdem ich bereits eine halbe Stunde zu Hause herumgeisterte) und ein leises „Auguri!“ von Laura vernahm, ließen sie mich dann mit einem Berg Arbeit allein zu Hause. Ich habe die Küche aufgeräumt, zwei Stunden gebügelt und das Abendessen vorbereitet. Als ich all' die Glückwünsche bei Facebook gesehen habe und meine Mutter mich angerufen hatte, konnte ich mich mit den Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich war einfach so sentimental an diesem Tag, dass ich gar nicht wusste, wo mir der Kopf stand. Noch heute wirkt das ein wenig nach und ich bin ein wenig konfus, weil die ganze Sicherheit und das „Glück“, was ich mir in den letzten Wochen und vor allem am vergangenen Wochenende aufgebaut habe, stark beschädigt sind und meine Träume mir nichts anderes zeigen, als Szenen von zu Hause. Am Mittwoch wurde es fast noch bunter, aber ich hatte nicht mehr die Lust, über das nachzudenken, was ich da gerade tat: Als ich Dani von der Schule abholen wollte, winkte mich die Lehrerin schon heran und verkündete die Hiobsbotschaft: Dani hat seine Zahnspange verloren! Da man dieses kleine Stück Eisen mit einem blauen Plastiküberzug nicht wirklich Spange sondern eher auseinander gebogene Büronadel nennen sollte, kann man sich meine Begeisterung vorstellen. Wir hatten sie schon einmal zu Hause verloren, aber Laura konnte sie wiederfinden, aber in der Schule? Dann die Erörterung: Wo hat er sie verloren? In der Mensa. Aha, also beim Mittagessen. Wie? Eingewickelt in ein Taschentuch/Serviette hat er sie einen Moment allein gelassen und weg war sie. Was machen wir jetzt? Wir suchen im Müll!!! Also haben sich die Lehrerin, eine Mitarbeiterin aus der Küche und ICH einen Müllsack aus dem Container genommen und den auf der Straße neben der Schule durchsucht und zwar Serviette für Serviette. Dass das ein Mittagessen für über 100 Kinder war und in dem Sack auch noch Brot, Tortellini und halbleere Joghurtbecher waren, machte die Sache nicht einfacher. Später haben wir den Sack mitgenommen und ich habe ihn auf einem Parkplatz dann nochmal alleine durchsucht, aber niemand hat etwas gefunden. Ich Idiot! Ich hätte Danis Mutter den Sack vor die Nase stellen sollen und sie hätte das machen können, aber wie gesagt, nach Dienstag war ich zu allem bereit. Jetzt ist das Stück Draht weg und mich wird mein Leben lang der Geruch von weggeschmissenem Erdbeerjoghurt verfolgen. So viel dazu...
Jetzt hat Bettina, die Frau aus meinem Kurs, die wegen ihres Lebensgefährten hier ist, mir erklärt, dass man hier nicht mit deutschen Geburtstagstraditionen rechnen kann, solange man nicht mit riesigen Hinweisschildern durch das Haus läuft und dass sie Francesco, ihrem Freund, auch erstmal klarmachen musste, was sie von so einem Tag eigentlich erwartet. Jetzt hat das gute Ding beschlossen, wir können mich nicht einfach so sitzen lassen und lädt uns für nächstes Wochenende zu sich nach Hause zum gemeinsamen Kochen ein, als Geburtstagsfeier sozusagen. Ich bin so gerührt. Eva und ich haben sowieso schon vor langer Zeit beschlossen, dass diese Frau einfach ein Goldstück ist und ich bin einfach immer so glücklich, wenn ich die Schule betrete und Eva und Katharina und Bettina und meinetwegen auch alle anderen sind da und alle sind gut drauf und auch alle, die dort arbeiten, von dem verrückten Alessandro, der am Freitag vor Halloween mit einem riesigen Stofspitzhut und einem langen Bart, den man sich mit so einem Gummi vors Gesicht hängen kann mit Kuchen und Saft durch die Klassenräume gelaufen ist und uns damit bedient hat, zu Eleonora, die uns alle wie eine Mutter in dieser Schule willkommen heißt und mit uns Späße macht, uns Geschichten erzählt, wir trotzdem was dabei lernen, uns knufft und liebhat, bis hin zu Sara, meiner Lehrerin, die mit ihrer lockeren lustigen Art und ihrem nie endenden Interesse für unsere deutschen Gespräche und Gedanken den Unterricht immer farbenfroh gestaltet und so herzlich über unsere deutschen Italiener-Witze lacht. Diese Schule ist wirklich jeden Euro wert und das sage nicht nur ich Schulfetischist, das sagen alle, auch ganz normale Leute.
Die andere gute Nachricht dieser Woche ist, dass ich mich mal auf den Weg gemacht habe und Genua nach einer Winterjacke für mich durchsucht hat UND: Ich bin fündig geworden! Direkt die dritte oder vierte Jacke, die ich anprobiert habe, hats mir angetan und wurde sofort gekauft. Dies ist jetzt aber wirklich ein Mantel für den Winterwinter, jetzt ist mir die Lust auf eine sogenannte „Übergangsjacke“ (ich liebe die deutsche Sprache) gekommen...Mal sehn.
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